Freimut Duve, Heidi Tagliavini (Hg.)

Kaukasus - Verteidigung der Zukunft

24 Autoren auf der Suche nach Frieden
Folio Verlag, Wien 2001
ISBN 9783852561615
Taschenbuch, 310 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Valeria Jäger, Erich Klein, Susanne Macht und Claudia Zecher. ""Der Kaukasus liegt nur einen Vierstundenflug vom Herzen Europas entfernt. Aber die meisten von uns wissen nur sehr wenig über die Region, über ihre Tradition und Kultur - oder über ihre von Gewalt geprägte Geschichte." (Heidi Tagliavini) Zum ersten Mal haben auf Betreiben der OSZE Autoren verschiedener Kulturen und Völker ihre Meinung zur Kaukasusfrage in einem einzigen Buch dargestellt. Das Ergebnis ist ein ungeschminktes, widersprüchliches Mosaik unterschiedlicher Standpunkte. In Essays, Erzählungen und Tagebuchauszügen präsentieren die Autoren ihre Sichtweise über die kriegsgeschüttelte, und hochexplosive Region zwischen Europa und Asien.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2001

Werner Adam stellt lobend diesen Sammelband über den Kaukasus vor, den die beiden OSZE-Mitarbeiter Duve und Tagliavini zu verantworten haben. Nicht Politiker, sondern Schriftsteller, Journalisten, Literaturkritiker, sogar ein Schulrektor schreiben aus regionaler und aus russischer Sicht und werfen so ein jeweils anderes Licht auf diese geschichts- und konfliktreiche Gegend. Denn auch in diesem Buch, so Adam, herrscht keineswegs politische Übereinstimmung: so moniere etwa der Georgier Sasa Absianidse nationalistische Untertöne bei dem bekannten abchasischen Autor Fasil Iskander - möglicherweise ein Missverständnis, da es sich bei Iskanders Roman "Sandro aus Tschegem" um satirische Literatur handelt, wie Adam zu berichten weiß. Auch was die Zukunft des Kaukasus und die Aussicht auf Versöhnung der verschiedenen Völker angeht, ist man sich keineswegs einig, meint der Rezensent: völlig verzweifelt klinge vor allem der Schulrektor aus Grosnyj, der seinen Alltag unter sowjetischer Militärbesatzung schildere.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2001

Einen "differenzierten Einblick" in die Befindlichkeiten in den verschiedenen Ländern des Kaukasus bietet dieser von der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini und dem OSZE-Beauftragten Freimut Duve herausgegebene Band, lobt Rezensent Christoph Güdel. Zwar finde man hier keine "fundierten politologisch-historischen Analysen" - dazu ist der Ansatz, der viele verschiedene Autoren der Region zusammenführt, zu subjektiv, meint Güdel - dafür gäben die versammelten Kulturschaffenden aber viele Einblicke in "die konfliktbeladenen Gedankenwelt von Intellektuellen" dieser umkämpften Region. Aufgrund der Brückensituation, in der sich die Länder zwischen Russland und den islamischen Staaten Türkei und Iran befinden, gibt es hier reichlich widersteitende Meinungen und interessante Einblicke in die gegenseitige Befruchtung der russischen und kaukasischen literarischen und kulturellen Traditionen, so Güdel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.02.2001

Wenn Wissenschaftler und Schriftsteller zu Wort kommen, sieht die Welt ganz anders aus, als wenn Politiker und Generäle das große Wort im Munde führen. Mit dieser Erkenntnis kommt der Rezensent Michael Thumann von seiner Lesereise durch den Kaukasus wieder. Die Essaysammlung eröffne ein "eindrucksvolles Kaleidoskop des Kaukasus" und, obwohl der Tschetschenienkrieg bestimmendes Thema ist, beeindruckt Thumann der konstruktive Ansatz. Nicht eine "Klageschrift" sei entstanden, sondern "ein Tasten nach Erklärungen und Lösungen" sei durchweg zu erkennen. Neben vielen interessierten Lesern wünscht der Rezensent abschließend diesem Buch ganz besonders einen: Wladimir Putin. Dass er diese Sprache verstehen wird, bleibt nur zu hoffen.