Dennoch sprechen wir miteinander
Wie ein Familientreffen zu einer Reise durch die Welt der Demagogen wurde

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406830099
Gebunden, 248 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Als Stephan Lamby bei einer Familienfeier erfuhr, dass sein amerikanischer Cousin im Januar 2021 beim Sturm aufs Kapitol dabei war, entschied er sich für eine ungewöhnliche Reise. Er wollte herausfinden, warum so viele Menschen aus der Mitte der Gesellschaft abdriften. Warum erliegen sie der Verführungskraft von Demagogen? Warum radikalisieren sich sogar Verwandte und Freunde? Im Laufe eines Jahres reiste Lamby durch vier westliche Demokratien: USA, Argentinien, Deutschland und Italien. Seine Reisen führten ihn in die Welt von Donald Trump, Javier Milei und Björn Höcke - und in die eigene, weitverzweigte Familie. Seit vielen Jahren recherchiert Stephan Lamby für seine Filme und Bücher auf beiden Seiten des Atlantiks. Noch nie hat er die Wut auf etablierte Politiker und auch auf Journalisten als so tiefgreifend und bedrohlich empfunden wie zurzeit. Was ist los in unseren Ländern? Was droht uns noch? Und vor allem: Kann man im persönlichen Gespräch politische Gräben überwinden? Lamby lernte auf seinen Reisen Menschen im ehemaligen Wohnhaus von Benito Mussolini kennen und in Graceland, dem Anwesen von Elvis Presley. Er beobachtete den argentinischen Präsidenten Javier Milei aus der Nähe, er besuchte seinen amerikanischen Cousin in Connecticut und traf sich in Berlin mit dem Anwalt von Björn Höcke zum Mittagessen. Zudem tauchte er tief in die Geschichte der Länder ein, die ihm vertraut sind. Gut 100 Jahre nach dem Aufkommen des historischen Faschismus und 80 Jahre nach dessen Ende ging er der Frage nach, ob der Begriff Faschismus für die aktuelle politische Auseinandersetzung noch taugt. Lamby hat Feinde der Demokratie kennengelernt, aber auch Menschen, die sich den Feinden der Demokratie in den Weg stellen. Einige seiner Begegnungen waren sehr schmerzhaft, andere ermutigend. Fast immer haben sich seine Gespräche gelohnt. Doch es gab auch Grenzen.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.02.2025
Rezensent Michael Hesse freut sich über Stephan Lambys neues Buch, das den Aufstieg autoritärer Politiker wie Trump, Milei oder die AfD aus Sicht ihrer Wähler beleuchtet. Lamby reist durch die USA, Argentinien und Deutschland, um mit Menschen zu sprechen, die diesen Politikern ihre Stimme geben, resümiert Hesse. Doch statt fundierter Erklärungen hört er oft nur wiederholte Parolen - wie bei seinem eigenen Cousin Martin, der überzeugter Trump-Wähler ist. Das Buch liest sich flüssig und unterhaltsam, lobt der Kritiker, kratzt aber nur an der Oberfläche. Hesse moniert, dass tiefere gesellschaftliche Ursachen für den Rechtsruck nicht ausreichend analysiert werden - eine umfassendere Erklärung bleibt aus. "Erst kommen die Worte, dann kommen die Taten", doch warum sich immer mehr Menschen für diese Politiker begeistern, bleibt für den Kritiker letztlich ungeklärt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2025
Rezensentin Melanie Mühl erfährt in Stephan Lambys Buch zwar nicht unbedingt Neues über rechte Populisten, aber die Art und Weise, wie sich der Autor dem Thema nähert, das Gespräch mit Anhängern Trumps, Mileis und Höckes suchend, Verständnisgrenzen auslotend, aber nicht verurteilend, gefällt Mühl gut. Sichtbar werden Ansichten, die den Autor erschüttern: Zum ersten Mal in den letzten Jahrzehnten erlebt der Autor eine solche Wut auf das bestehende System und die Politik. Lambys Fragen und die Antworten seiner Gesprächspartner in den USA, in Argentinien und in Jena erscheinen der Rezensentin aufschlussreich und auch beängstigend. Abschließend hofft die Kritikerin, dass Lamby mit seiner These, wir lebten in der Ära des "Präfaschismus", nicht recht hat.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 17.02.2025
Beklemmend findet Kritikerin Anne-Kathrin Weber dieses Buch von Stephan Lamby, aber in seinem Appell für das Miteinander-Sprechen zugleich anregend. Seinen Ursprung hat das Buch in einer Begegnung des Autors mit seinem Cousin genommen, der überzeugter Trump-Anhänger ist - Lamby versucht im Gespräch die Gründe zu eruieren, ein Konzept, das er auch in Gesprächen mit italienischen Faschisten und argentinischen Milei-Anhängern anlegt, schildert Weber. Der Autor zeigt ihr in den "Gesprächsporträts", dass Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust in der zunehmenden Radikalisierung eine Rolle spielt und es gleichzeitig so wichtig wie nie ist, miteinander zu reden, auch und gerade wenn in Italien ein Mittagessen zu Ehren Mussolinis veranstaltet wird, bei dem Schwarzhemden mit SS-Zeichen am Tisch sitzen - auch davon berichtet Lamby.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 30.01.2025
Rezensentin Elisabeth von Thadden schätzt den Dokumentarfilmer Stephan Lamby für seine Genauigkeit und Fairness. Und die erkennt sie auch im vorliegenden Buch, für das sich Lamby nicht nur mit seinem amerikanischen Cousin Martin zusammengesetzt hat, der beim Sturm auf das Kapitol beteiligt war. Lamby reist zu weiteren Verwandten, quer durch die USA bis nach Argentinien, um zu verstehen, warum Menschen, die er schätzt und mag, auf Populisten hereinfallen. Allein wie Lamby die Grenzen von Vertrautem und Fremdem auflöst, indem er sich Zeit nimmt, aber den "moralischen Kompass" stets im Blick behält, beeindruckt die Kritikerin. Schließlich begegnet dem Autor sogar Javier Milei, den Lamby auch von einer anderen Seite kennenlernt. Dafür, wie der Autor jenseits des lärmenden Populistenorchesters für Verständnis sorgt, möchte sich die Kritikerin am liebsten bedanken.