Manfred Koch

Rilke

Dichter der Angst - Eine Biografie
Cover: Rilke
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406821837
Gebunden, 560 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Rainer Maria Rilke 150. Geburtstag am 4. Dezember 2025. Rainer Maria Rilke gilt als einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Kunst sei "Dinge machen aus Angst", schreibt er im Juli 1903 seiner ehemaligen Geliebten Lou Andreas-Salomé. Manfred Koch zeigt in seiner neuen, Leben und Werk gleichermaßen in den Blick nehmenden Biografie Rilke als hochsensibles Echolot und geschlechtlich fluidesten Dichter der heraufziehenden Moderne. So entsteht die Erzählung eines radikalen Lebens, das ganz Kunst sein will und dadurch eine Wahrnehmungssensibilität entfaltet, die erschreckend nah in Berührung kommt mit den Abgründen in ihm selbst und in seiner Zeit.  Rainer Maria Rilkes Lebensstationen sind immer auch Marksteine seines Werkes: Prag, Russland, Worpswede, Paris, München, Duino, Spanien, Schweiz. Manfred Kochs Biografie folgt diesen Stationen wie dem kreativen Kreuzweg eines körperlich wie seelisch bedrohten Mannes und verbindet Rilkes Lebenswanderung mit exemplarischen, verständlichen Interpretationen seines Werks. Der Dichter der "Duineser Elegien" erscheint als ein Mann, der wie kein zweiter zu schnorren versteht, Frauen und Mäzene in seinen Bann zieht und bis an den Rand des Erträglichen manieriert ist, der aber zugleich all dies wie sein eigenes Leben rigoros zur bloßen Folie macht für das, worauf es ihm ankommt: Dichtung für die Ewigkeit zu schaffen und aus Leben "wahre" Kunst werden zu lassen. Er hatte darin Erfolg, aber der Preis war hoch, für ihn selbst wie für all jene, die ihn umgaben. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.03.2025

Zum 150. Geburtstag Rilkes kann Rezensent Tobias Lehmkuhl gleich zwei neue Biografien des Dichters entdecken - diese und die von Sandra Richter. Koch liefert ihm direkt eine überzeugende Interpretation des Gedichts "Der Panther", dieses zeige Rilkes Selbstauffassung als "Unglücksfigur" im Paris der Jahrhundertwende. Lehmkuhl erfährt, wie das Gedicht zum Auftakt der Pariser Begegnungen mit Auguste Rodin und Lou Andreas-Salomé werden sollte, die den Dichter veränderten. Aus der Menge an biografischem Material habe Koch sein Subjekt als "Fluchttier" und ängstliches Wesen herausgeschält, der mit Frauen von Maria Zwetajewa bis Clara Westhoff wechselhafte Beziehungen hatte und besonders unter der Verhätschelung der Mutter gelitten habe. Lehmkuhl gefällt zudem, wie Koch Rilke anhand minutiöser Interpretation seiner höchst musikalischen Sonette vorstellt, in denen man "das Neue (…) dröhnen und beben" hört, die auch wiederum oftmals vertont worden sind. Zum Schluss kann Lehmkuhl beide Bücher empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025

Interessiert bespricht Rezensent Hilmar Klute Manfred Kochs Rilke-Biografie. Die Besprechung, die sich außerdem Sandra Richters Rilke-Buch widmet, besteht hauptsächlich aus einer Rekonstruktion von Rilkes Leben, wobei selten klar wird, inwieweit Klute sich direkt auf Koch, seines Zeichens Literaturwissenschaftler, bezieht. Koch beschäftigt sich unter anderem mit Rilkes Haltung in politischen Fragen, lernen wir, er verehrte Mussolini und lehnte die Weimarer Republik ab. Eine besonders gelungene Passage dieses Buches widmet sich laut Klute dem "Malte Laurids Brigge", den Koch als ein Schlüsselwerk der Moderne und deren Verhältnis zur Angst vorstelle. Auch andere Werke Rilkes werden vom Autor klug interpretiert und auf gelungene Weise mit Rilkes Biografie in Beziehung gesetzt, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2025

Manfred Kochs schönes, reichhaltiges Buch über Rainer Maria Rilke möchte das Rad nicht neu erfinden, stellt Rezensent Kai Sina klar, sondern eher den Akzent der Rilke-Rezeption sanft verschieben. Nicht Sprachanalyse steht hier im Zentrum, erläutert Sina, sondern eine Engführung von Rilkes Leben und Werk mit Blick auf das Motiv der Angst. Biografisch geht es dabei laut Rezensent unter anderem um die Rolle der Mutter Rilkes, die etwa in der Analyse des "Malte Laurids Brigge" nachgewiesen wird. Interessant, auch im Abgleich mit anderen Publikationen zu Rilke, ist für Sina außerdem Kochs These, dass für Rilke der Bezug auf die literarische Prager Moderne nicht allzu prägend gewesen sei. Insgesamt, meint Sina, wird Rilke hier vielleicht etwas zu ausschließlich psychologisch ausgedeutet, wodurch unter den Tisch falle, dass er auch ein strategisch denkender Autor war. Gleichwohl fügt dieses Buch der Rilke-Rezeption Wichtiges hinzu, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.03.2025

Gleich zwei neue Biografien über Rainer Maria Rilke kann Rezensent Björn Hayer in dessen Jubiläumsjahr entdecken: Manfred Koch legt ein konzises, dichtes Buch mit starken Textexegesen vor, in dem die alles überstrahlende Todesmotivik in Rilkes Werk ihn als "Angst-Dichter" zeigt, der mit seiner Dichtung auch versucht hat, die sich immer rascher verändernde Welt zu bewältigen. Sandra Richter, die Leiterin des Literaturarchivs in Marbach, nimmt eher eine "parzielle Neuinterpretation" des Dichters vor, so Hayer, statt ihn als Eremiten zu sehen, hebt sie eher seine Methode des "restaurativen Modernismus" hervor, die versuchte, mittels der Kunst ein Vorkriegseuropa wiederherzustellen. Beide Biografien machen dem Kritiker zufolge zudem deutlich, wie wichtig Frauen von der Mäzenin Marie von Thurn und Taxis bis zu Lou Andreas-Salomé für Rilke waren, die ihn inspirierten, "über der eignen Zerstörung/ewig hervor" zu gehen, wie er, mit beiden Büchern sehr zufrieden, schließt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2025

Zu Rilkes 150. Geburtstag kann Rezensent Paul Jandl nun gleich zwei  Biografien über den Dichter lesen, der ihm zufolge mit seinen vielen  seelischen Verstrickungen "ein Fall für Freud" war: Der Literaturwissenschaftler Manfred Koch widmet sich eher den düsteren,  angstgetriebenen Seiten Rilkes, der als Kind vor allem die Vorstellungen erfüllen musste, die die Mutter von ihm hatte, die ihn in Mädchenkleidung gesteckt hat. Die dichterischen Anfänge beurteilt Koch negativ, auch seine schwierige medizinische Lage zwischen vielen  Kuraufenthalten findet Eingang in sein Buch, das ganze wird in Verbindung zu Rilkes Werk gebracht, von "Malte Laurids Brigge" bis zu  den "Duineser Elegien." Bei Sandra Richter, Leiterin des  Literaturarchivs Marbach, geht es ergänzend viel um Rilkes Frauenbild,  seine weiblichen Verbindungen von Lou Andreas-Salomé bis Clara  Westhoff-Rilke, beiden Büchern ist gemein, dass sie gegen die Mythologisierung des Dichters anschreiben müssen und dies erfolgreich  tun, wie Jandl festhält. Auch Rilkes schwieriges Verhältnis zur Psychoanalyse wird in beiden Büchern diskutiert - für den Kritiker werfen beide Autoren wichtige Schlaglichter auf einen großen Dichter.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.01.2025

Überzeugend stellt der Germanist Manfred Koch Rainer Maria Rilke als einen Dichter dar, dessen Werk vor allem in Ängsten wurzelt, findet Rezensent Michael Opitz. Koch verfolgt dieses Motiv laut Opitz zurück in die Kindheit Rilkes, seine Mutter hatte ihn wie ein Mädchen erzogen, später musste er auf eine Militärschule, die daraus resultierenden Traumata verarbeitete er dann unter anderem im "Malte Laurids Brigge". Auch Rilkes schwieriges Verhältnis zu Frauen, geprägt von einem Wechselspiel von Nähe und Distanz, wird thematisiert, so Opitz, dem nicht zuletzt auch Kochs Interpretationen von Rilke-Gedichten zusagen. Einen gelungenen Beitrag zum Rilke-Jahr 2025 empfiehlt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2025

Knapp tausend Seiten Rilke-Biografie annonciert der für die FAZ rezensierende Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel, allerdings aufgeteilt auf zwei Bücher: Minutiös vergleicht der Kritiker die Werke des Germanisten Manfred Koch und der Leiterin des Literaturarchivs in Marbach Sandra Richter miteinander. So viel vorab: Beide Biografien hält Kiesel für ausgesprochen lesenswert, bestechen sie doch nicht nur durch gleichermaßen wertschätzenden und kritischen, sowie wissenschaftlich genauen und "emphatischen" Zugang und , sondern auch durch kenntnisreiche Sichtung der Materialfülle - und neue Erkenntnisse. So liest der Rezensent etwa, wie Rilke seinen Leidensweg in Kreativität überführte, seiner Mutter-Thematik nicht selten an jüngeren Frauen abarbeitete oder sich selbst hervorragend im Literaturbetrieb vermarktete. Koch und Richter reichern ihre Texte zudem mit vielen Zitaten und Zeugnissen an, lobt der Rezensent. Dennoch würde er Kochs Werk den Vorzug geben, nicht nur weil hier das für Rilke nicht unwesentliche Thema "Onanie" ausführlicher behandelt wird. Was er an Kochs knapp 120 Seiten längerer Biografie vor allem schätzt, ist die ausführliche Textanalyse, die das Buch für Kiesel zu einer "psychologisch und ästhetisch feinfühligen, überaus gehaltvollen und scharf profilierenden Beschreibung" von Leben und Werk macht.