Steffen Martus

Aufklärung

Das deutsche 18. Jahrhundert - ein Epochenbild
Cover: Aufklärung
Rowohlt Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783871347160
Gebunden, 1040 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Ein Zeitalter auf der Suche nach einer neuen Ordnung: Steffen Martus zeigt, wie dramatisch die Aufklärung das Deutschland des 18. Jahrhunderts verändert hat. Seine Darstellung reicht von der Neuordnung der politischen Landkarte um 1700 über die Erschütterung Europas durch das Erdbeben von Lissabon bis zum Vorabend der Französischen Revolution. Steffen Martus zeigt das 18. Jahrhundert in neuem Licht. Er erzählt die Geschichte der Leidenschaften, der Politik, Kultur und Wissenschaft, er schildert den Alltag in den Universitäten, den Städten, bei Hofe und zeichnet Porträts von Diplomaten, Dichtern und Gelehrten bis hin zu Kant, der Chancen und Grenzen der Erkenntnis erkundete.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.01.2016

Harald Jähner scheint richtig erleichtert, wenn der Literaturwissenschaftler Steffen Martus ihm die Aufklärung nicht mit Kant als philosophisches Programm zu erklären versucht, sondern anhand sozialer Praxis, durch Einblicke in höfische Verwaltungskammern, Schlichtungsbüros und Auskunfteien. Aufklärung als Informationsaustausch, das leuchtet Jähner ein, war keine Kleinigkeit. Der Autor verdeutlicht das, indem er Skandale, Konflikte und Krisen der Zeit wimmelbildartig darstellt, ohne aber den Leser allein zu lassen, wie Jähner einräumt. So versteht der Rezensent die Epoche schließlich als frühes Beispiel der Schwarmintelligenz und korrigiert zusammen mit dem Autor so manches Vorurteil gegenüber der Aufklärung zum Bessern. Soziale Aufmerksamkeit und Kompetenz im Umgang mit Mehrdeutigkeiten, das lernt der Mensch in jener Zeit, staunt Jähner.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.12.2015

Unmöglich, diesem Werk in einer Rezension in all seinen Facetten gerecht zu werden, räumt Micha Brumlik ein. Als panoramahafte Darstellung einer etwas vergessenen Epoche, sozialwissenschaftlich, gesellschafts- und ideengeschichtlich erhellend und flüssig, dient dem Rezensenten das Buch von Steffen Martus vorzüglich. Neben Descartes und Spinoza stellt der Autor Brumlik die deutschen Philosophen Wolff, Thomasius und Leibniz vor und erklärt ihm, wie sich ein rationalistisches Denken entwickeln konnte - für Brumlik ein fruchtbarer Gegenwartsbezug, zumal Martus die damals konkurrierenden Menschenbilder laut Brumlik prägnant vorstellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2015

Iwan-Michelangelo D'Aprile lobt Steffen Martus und seinen Versuch über die deutsche Aufklärung. Die Pointe des Germanisten, der Alternative zwischen Aktualisierung und Historisierung zu entgehen, indem er Selbststilisierung und Propaganda zu den grundlegenden Momenten der Aufklärung erklärt und sie weniger anhand ihrer Programmatik als über ihre Praktiken definiert, scheint dem Rezensenten zu behagen. Aufklärung nicht als Freiheitspostulat, sondern als medial raffiniert verfahrende Aufmerksamkeits- und Kritikmaschine für gesellschaftliche Defizite - für D'Aprile eine sinnvolle Perspektive. Dass die ersten Aufklärer Medienprofis waren, nimmt er dem Autor ab. Das Buch ist für ihn kluge Zusammenschau soziopolitischer und literarischer Phänomene, eine umfassende, komplexe, doch kurzweilige  Kulturgeschichte auf dem Stand der Forschung.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2015

Ein grandioses Historienpanorama über die Aufklärung hat Rezensent Alexander Cammann mit Steffen Martus' neuem Buch entdeckt. Wie der Literaturwissenschaftler hier Literatur- und Geistesgeschichte mit den Haupt- und Staatsaktionen jener Epoche verbindet, ringt dem Kritiker höchste Anerkennung ab: Geradezu modern erscheint ihm das dicht geknüpfte Netz aus Zitaten und Szenen, das eine Vielzahl von Figuren, Ereignissen und Ideen der Aufklärung vorstellt. Interessiert liest Cammann nach, wie Flugschriften und Kaffeehäuser boomten, lernt die Gelehrten und Literaten der Ära kennen und reist mit Martus durch die verschiedenen Zentren der Aufklärung. Großartig auch, wie der Autor das "propagandistische Pathos" der Aufklärer ausnüchtert, meint der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2015

Steffen Martus erzählt die Geschichte der Aufklärung als Historie, berichtet Thorsten Jantschek. Kant wird mit seiner Definition zum Nebendarsteller mit glücklichem Händchen für einprägsame Parolen, während eine Vielzahl anderer Akteure aus allen gesellschaftlichen Schichten in ihren vielfältigen Abhängigkeitsverhältnissen größeres Gewicht gewinnen, erklärt der Rezensent: eine Geschichte der Aufklärung "aus der Perspektive der Unmündigkeit", fasst Jantschek zusammen. Das Bild, das in Martus' "Aufklärung" entsteht, ist komplexer als die Ideengeschichte es gerne malt, lobt der Rezensent. Der "Dauerclinch in Dichtung und Wahrheit" wurde damals nicht durch die reine Idee der Vernunft gelöst und wird es auch heute nicht werden, stimmt Jantschek dem Autor zu - nur die Bedeutung Kants würde er gerne noch einmal mit Martus ausdiskutieren.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.11.2015

Mladen Gladic scheint Gefallen daran zu finden, dass der Autor ihm den Begriff der Aufklärung in seinen Fallgeschichten tüchtig durcheinanderbringt. Was der Germanist Steffen Martus in seinem Buch auf für den Leser nicht immer leicht nachvollziehbare Weise unternimmt, ist für Gladic die pointierte Dekonstruktion einer Epoche. Am Ende der Lektüre schwirren dem Rezensenten die Widersprüchlichkeiten des deutschen 18. Jahrhunderts aus Theologie, Philosophie und Politik nur so vor den Augen. Und Kant erscheint als geschickter Medienprofi, der die Fäden in seinem Sinne zusammenhält. Die Erkenntnis, dass Kant den Geist der Zeit nicht unbedingt richtig erkannte, nimmt Gladic mit aus diesem Buch.