Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann und Fritz Schalk, herausgegeben von Ulrich Kunzmann. Zum ersten Mal vollständig und in neuer Übersetzung: Chamforts Gedanken, Maximen und Reflexionen. Friedrich Nietzsche nannte ihn den "witzigsten aller Moralisten, ohne den die Französische Revolution ein viel dümmeres Ereignis gewesen" wäre. Nicolas de Chamfort war nicht nur einer der geistreichsten und charmantesten Denker, er war sicher auch einer der tragischsten seiner Zeit. Seine Gedanken, Maximen und Reflexionen, die hier erstmals vollständig versammelt sind, bilden das Herzstück eines schillernden literarischen, philosophischen und revolutionären Werks, das schnell über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt und einflussreich wurde. Für Albert Camus verbirgt sich hinter diesen Texten ein "verheimlichter Roman": In seinen kritischen Beobachtungen des revolutionären Geschehens stecke nichts weniger als "eine Geschichte der Einsamkeit". Sein Werk spiegelt die extreme Biografie des Sohns einer Adligen und eines Dompfarrers wider, in der sich die gesellschaftliche Zerrissenheit der Französischen Revolution verkörpert, die er miterlebte und austrug. Seine geistige und rhetorische Schärfe ebenso wie seine politische Integrität machten ihn zu einem bedeutenden Wortführer seiner Zeit und besiegelten schließlich sein Schicksal. Chamforts lebenslanges Außenseitertum und sein selbstgewählter Leidensweg spielen sich in seinem Tod noch einmal ab: Im Angesicht seiner Verhaftung versucht er sich das Leben zu nehmen und diktiert den Gendarmen seinen Todeswunsch, den er mit seinem eigenen Blut signierte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2022
Rezensent Joseph Hanimann erkennt die Lebensbejahung noch in der radikalsten Gesellschaftskritik, wie sie Nicolas Chamfort in seinen hier versammelten, "sorgfältig" übertragenen Texten über die Liebe, die Eitelkeit, die Komik des Menschen zum Besten gibt. Neinsager und Misanthrop ist der Autor für Hanimann nur insofern, als er manchmal seinen Groll nicht kontrollieren kann. Dafür verschont er sich nicht mit Selbstkritik, stellt Hanimann fest. Vor allem Chamforts in seinen Gedanken stets wirksame Charakterstärke lässt den Rezensenten zu der Überzeugung kommen, dass der Autor in Hass und Spott geradezu eine Lebensnotwendigkeit sah.
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