Aus dem Englischen von Monika Carbe. Der bekannte britische Historiker T. C. W. Blanning beschreibt in diesem Buch die kulturelle Revolution des 18. Jahrhunderts, die das "Alte Europa" grundlegend verändert hat. Die höfische Kultur, die unter Ludwig XIV. ihren Höhepunkt gefunden hatte, wurde in dieser Epoche an den Rand der politischen Bedeutung gedrängt und von etwas völlig Neuartigem abgelöst: der Öffentlichkeit. Wichtige kulturelle Einrichtungen entstanden in dieser Zeit: Zeitungen und Journale, Kaffeehäuser und Leihbüchereien, Museen und Kunstausstellungen. Die "öffentliche Meinung" wurde nun zum entscheidenden Maßstab in kulturellen und politischen Fragen. In diesem Vergleich von Macht und Kultur zeigt Blanning, wie unterschiedlich die europäischen Staaten auf die Herausforderung - und Chance - dieser neuen Entwicklung reagierten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2006
Durchaus angetan zeigt sich Barbara Stollberg-Rilinger von Tim C. W. Blannings groß angelegter europäischer Fortschrittsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Der Autor verstünde es in guter angelsächsischer Historikertradition, mit unzähligen Anekdoten und erhellenden Metaphern den Siegeszug der Moderne im Alten Europa anschaulich und lesenswert nachzuzeichnen. Besonders gefallen hat der Rezensentin dabei Blannings "Kunstgriff", anhand musikgeschichtlicher Details die großen welthistorischen Entwicklungen in seiner Erfolgsgeschichte der bürgerlichen Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Doch muss Stollberg-Rilinger nach einer so lehrreichen wie unterhaltsamen Lektüre feststellen, bei aller stilistischen Souveränität ein recht überkommenes Geschichtsbild gelesen zu haben, das neben "altvertrauten Selbstverständlichkeiten" auch gerne mit nationalen Stereotypen und Mythen operiert, welche von Blanning zwar ironisch präsentiert, letztlich "aber doch affirmiert" werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2006
Tim Blannings Studie über das Alte Europa hat Rezensent Caspar Hirschi sichtlich beeindruckt. Er würdigt sie als eine Arbeit von "hoher Originalität", die Bekanntes durch unvertraute Vergleiche in neues Licht rücke. Dem Autor könne anhand des Motivpaars Krieg und Kunst das Gelingen und Scheitern von Herrschaft zwischen 1660 und 1789 verdeutlichen. Ausführlich zeichnet Hirschi die Ausführungen Blannings über die Hofkultur Ludwigs XIV., die Modernität Friedrich des Großen oder auch den kulturellen Graben zwischen Deutschland und England nach. Dass bei Blanning vieles unerwähnt bleibt, stört Hirschi nicht im geringsten, auch wenn sich Freunde enzyklopädischer Vollständigkeit daran stoßen dürften. Denn gerade im Aussparen sieht er die "Kunst dieses Buches". Schließlich erzähle der Autor "quellennah und mit Lust am aussagekräftigen Exempel" und schaffe so einen "Überblick von ungewohnter Prägnanz". Auch Blannings "Stil eleganter Lässigkeit", von Monica Carbe gekonnt ins Deutsche übersetzt, hat Hirschi gefallen. Sein Fazit: "eine erstaunliche Studie".
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