Aus dem Französischen von Dorothee Röseberg. Anna Seghers, Bertolt Brecht, Stefan Heym, Jürgen Kuczynski, Paul Dessau, Max Schroeder und viele andere wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft oder wegen ihrer kommunistischen Überzeugung im "Dritten Reich" verfolgt und mussten Deutschland verlassen. Nach dem Exil in England, den USA oder Mexiko wählten sie die Sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR als Heimat. Die Konflikte zwischen den Westremigranten und jenen, die aus Moskau in den Ostteil Deutschlands zurückkehrten, gehören zu den zentralen Problemen der DDR-Geschichte. Diesen Intellektuellen schlugen Misstrauen und Verdächtigungen entgegen. Dennoch stützten sie das System und stellten es zugleich infrage. Einzig innerhalb der Partei trugen sie ihre Kritik vor, in der Öffentlichkeit schwiegen sie. Mit dieser Praxis beeinflussten sie auch die Folgegeneration, als deren Repräsentantin Christa Wolf gelten kann. Sonia Combe zeichnet in ihrem Buch die Kämpfe und Gewissenskonflikte dieser kritischen Marxisten nach und fragt, welchen Preis sie für ihre Loyalität zahlten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.06.2022
Rezensent Marko Martin schaudert beim Lesen dieser Studie, mit der die französische Historikerin Sonia Combe die Rolle der Intellektuellen in der DDR untersucht, viele davon jüdisch. Nahezu unerträglich scheint ihm die Treue, mit der Anna Seghers, Stefan Heym, Arnold Zweig oder Stephan Hermlin zum SED-Regime hielten, wobei die Autorin dies nie mit Opportunismus oder Feigheit erklärt, sondern mit dem Abscheu der Remigranten vor womöglich anhaltend faschistischen Neigungen der Deutschen. "Deprimierend" findet Martin aber auch, dass sich Seghers, Heym und Co. wegduckten, als sie 1967 das angegriffene Israel als Aggressor verurteilen sollten. Nicht mit allen Deutungen ist der Rezensent einverstanden, die Leistungen der DDR-Intellektuellen im Vergleich mit Adorno, Horkheimer und Löwenthal erscheinen ihm im Gegensatz zur Autorin als überschaubar und ideologisch allzu begrenzt.
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