Hans Joachim Schädlich
Bruchstücke

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498007676
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR
ISBN 9783498007676
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR
Klappentext
Hans Joachim Schädlich erzählt aus seinem Leben. Im Werk dieses Schriftstellers steht die Verknappung als Prinzip über allem, und so präsentiert sich sein Erinnerungs- und Gedenkbuch in Teilen, Facetten, Splittern. Im Zentrum stehen Begegnungen mit Zeitgenossen und Weggefährten, mit Verlegern, Wissenschaftlern, Personen der Zeitgeschichte und vor allem Autor:innen wie Max Frisch, Sarah Kirsch, Stefan Heym, Günter Grass. Neben den Menschen gibt es die Orte. Schädlich ist um die Welt gereist, oft zusammen mit seinem Verleger Ledig Rowohlt. Und dem Leser ermöglicht dieser Lebensrückblick Reisen in die Vergangenheit; in die DDR, die Schädlich vertrieb, und in die alte Bundesrepublik, in der er ein viel gerühmter Autor wurde.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.10.2025
Von vorne bis hinten lesenswert ist dieses Buch Hans Joachim Schädlichs, lobt Rezensent Christoph Schröder. Es enthält fragmentarische, meist ziemlich kurze Texte, die sich laut Kritiker vor allem um Vor- und Nachspiel der Ausreise Schädlichs aus der DDR in die BRD drehen. Besonders beeindruckt ist der Rezensent von Schädlichs Kunst der Verdichtung, näher geht er auf einige Miniaturen ein, die einen neuen Blick ermöglichen auf die deutsch-deutsche Literaturgeschichte, insbesondere auf die Frustration vieler DDR-Autoren nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns. Eine wichtige Rolle spielt im Buch außerdem Schädlichs Beziehung zu Günter Grass, erfahren wir, die einstigen Freude entfremdeten sich in den 1990er Jahren voneinander, Schädlich warf Grass insbesondere vor, die Repressionen durch das Stasiregime zu verharmlosen. Nicht zuletzt mit Blick auf solche Konflikte zeigt sich, dass Schädlich hier nicht einfach nur lose Gedanken sammelt, sondern einen klaren, unnostalgischen Blick zurück wirft.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2025
Rezensent Jürgen Verdofsky liest sich mit Gewinn durch Hans Joachim Schädlichs neuen Prosaband, der ältere, teils unveröffentlichte Texte versammelt. Schädlich, der lange in der DDR gelebt hatte, hat die Fähigkeit, Erinnerungen und Beobachtungen präzise zu fassen und dadurch etwas von der Zeit, in der der Autor lebt, erfahrbar zu machen, so Verdofsky. Die Rezension arbeitet sich durch einige Episoden im Leben des Autors, der 1977, nachdem er in einem Westverlag publiziert und vorher schon Probleme mit der DDR-Obrigkeit gehabt hatte, in den Westen ausreiste. Nicht immer ist klar, inwiefern sich Verdofsky auf die aktuelle Veröffentlichung bezieht, in jedem Fall jedoch sind in ihr einige Texte enthalten, die alten Freunden und Mitstreitern Schädlichs Denkmäler setzen und diese Passagen gefallen dem Rezensenten gut. Unter anderem geht er auf einen Text über die Dichterin Sarah Kirsch ein, sowie auf das Verhältnis Schädlichs zu Günter Grass, dem der Autor erst freundschaftlich verbunden war, der später jedoch in ein eigenes Werk eine Spitzel-Figur in einer Art einbaute, die Schädlich missfiel. Eine lohnende Lektüre, so der Tenor der Besprechung.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2025
Ein bisschen zu eng gefasst ist diese Sammlung älterer, teils unveröffentlichter eigener Texte, die Hans Joachim Schädlich in diesem Band zusammenfasst, findet Rezensent Lothar Müller. Denn Schädlich konzentriert sich hier komplett auf einen einzigen Aspekt in seinem Leben, nämlich auf sein Verhältnis zur DDR, das Land in dem er auf diverse hier versammelte Texte verweisend, bis 1977 gelebt hatte. Wir lesen hier viel, so Müller, über die Ausgrenzung, die Schädlich erfuhr, als er in einem Westverlag publizierte, ebenso über einige seiner damaligen Mitstreiter, auch ein Streit mit Günter Grass, dem Schädlich Stasi-Verharmlosung vorwarf, wird aufgegriffen. Kaum eine Spur jedoch, ärgert sich Schädlich, führt von den hier versammelten Texten in das sonstige, reichhaltige literarische Werk des Autors, insbesondere in dessen Romane, die Müller außerordentlich zu schätzen scheint. Alles in allem hätte Müller lieber ein Buch gelesen, in dem die verschiedenen Facetten dieses reichen Werks sichtbar werden.
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