Häufig schon hat Slavoj Žižek die christliche Theologie kommentiert und kritisiert. In seinem Buch "Christlicher Atheismus" trägt er nun ein neues Verständnis des Christentums als eine progressive, säkularisierende Kraft vor. Unter Rückgriff auf so unterschiedliche Traditionen und Themen wie buddhistisches Denken, dialektischer Materialismus, politische Subjektivität, Quantenphysik, künstliche Intelligenz und Chatbots artikuliert dieses Buch zum ersten Mal Žižeks Vorstellung von einem religiösen Leben. In seinen eigenen Worten: "Um ein wahrer dialektischer Materialist zu werden, muss man durch die christliche Erfahrung hindurchgehen."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2025
Rezensent Guido Kalberer lächelt müde über Slavoi Zizeks Versuch, Gott nicht einfach für tot, sondern für böse zu erklären. Was der Autor damit erreichen will? Die ewige Wiederkehr eines idealisierten Gottes verhindern, um für Marx als Erlöser die Bühne zu räumen. Für Kalberer ein eher abgestandener Gedanke, auch wenn Zizek natürlich die ein oder andere "erfrischende" Volte bietet. Was bietet der Band außerdem? Zizeks Ausflug in die Quantenphysik, die dem Autor die Abwesenheit Gottes nahelegt, scheint Kalberer wenig überzeugend. Lieber ist ihm Zizeks ebenfalls enthaltene Kritik an der Wokeness-Kultur. Da trifft der Philosoph durchaus ins Schwarze, findet er.
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