Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller. In "Nicht hier, nicht dort" sind zum ersten Mal Siri Hustvedts essayistische Schriften versammelt. Der Titel ist programmatisch: Sie bezieht ihn auf ihre geographische Herkunft als zwischen den Kulturen aufgewachsene Tochter norwegischer Einwanderer und auf ihren künstlerischen Standpunkt als Beobachterin und Bewahrerin - die Fiktion gleichsam als Zwilling der Erinnerung, angesiedelt zwischen der realen Welt und der gedachten, gefühlten der Phantasie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.03.2001
Der Rezensent Thomas Kraft hätte gerne erfahren, wann und wo die sechs Essays der New Yorker Schriftstellerin Siri Hustvedt (ganz nebenbei, sie ist die Frau von Paul Auster) zuerst erschienen sind. Warum ihm das so wichtig erscheint, bleibt allerdings schleierhaft. Denn Kraft scheint an den Reflexionen von Hustvedt über ihren Umgang mit Literatur und bildender Kunst nichts auszusetzen zu haben. Hustvedts Lebensgeschichte prägt ihr literarisches Schaffen, erzählt der Rezensent. Das ist zunächst eigentlich nichts Neues. Interessant findet Kraft aber, wie die Autorin ihre Wahrnehmung und deren Auswirkung auf die literarische Arbeit beschreibt: als ein Denken in Bildern und ein Changieren zwischen Hier und Dort. Diese "Yonder-Welt", wie Hustvedt schreibt, führt zu einem schwebenden Zustand in der Gegenwart, berichtet Kraft. Die Erinnerung an Orte und Zustände sei daher zuverlässiger und klarer als die Wahrnehmung der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2001
Auch wenn Hustvedts Aufsatzsammlung auf den ersten Blick disparat wirkt, für Elke Schubert lässt sie sich problemlos auf einen Nenner bringen: ob die Autorin (bislang liegen zwei Romane von ihr auf Deutsch vor), die auch Literaturwissenschaftlerin ist, über Kafka, Jane Austen, Vermeers Bilder oder den Moralkodex an den amerikanischen Universitäten schreibt, stets eröffne sie mentale Räume, ein "Zwischenreich", so Schubert, das Leser oder Betrachter über das Gelesene oder Gesehene in ein Zwiegespräch mit sich selbst, die eigenen Erfahrungen und die eigene Geschichte verwickle. Ein solches Zwischenreich könne sie aber auch in der sogenannten "Antioch-Regelung" erkennen. Das College gestattet sexuelle Annäherung nur mit vorausgegangenem Einverständnis. Hustvedt, die ansonsten keine Verteidigerin politisch korrekter Maßnahmen sei, erläutert Schubert, könne darin auch neue Möglichkeiten zur Erkundung erotischer Wege entdecken. Ein Rest Geheimnis gehöre gewahrt, zitiert sie die Autorin, was nicht nur für die zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch für Literatur gelte: diese wiederum müsse auf Moral verzichten können. Ein aufmunternder Streifzug durch die Literatur, den Elke Schubert als literarische Reiseleiterin klug moderiert.
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