Paul Auster

Mein New York

Cover: Mein New York
Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
ISBN 9783498000547
Gebunden, 114 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Zusammengestellt von Thomas Überhoff. Mit Fotos von Frieder Blickle und einem Vorwort von Luc Sante. New York: eine der großen Metropolen dieser Welt, rastlos, kreativ und unüberschaubar - viel beschriebenes Sinnbild futuristischer Visionen und pulsierender Gegenwart. Der Schriftsteller und Filmemacher Paul Auster, dort aufgewachsen, hat sich von ihr inspirieren lassen wie kaum ein Künstler zuvor. New York ist ein Schlüssel zu seinem Werk und umgekehrt hat er den Schlüssel zur Stadt. Aber es ist nicht der goldene Schlüssel, der im Rathaus auf rotem Samt liegt, sondern ein Dietrich zu den versteckten Gassen, unterirdischen Kavernen und leer stehenden Häusern, die sonst kaum jemand bemerkt. Nennen wir dieses Terrain Austeralien, eine Unter- und Nebenwelt voll merkwürdiger Figuren und Ereignisse, ein antipodisches Negativ des Glitzers von Times Square und Fifth Avenue, so in der Stadt lokalisiert, wie das Nervensystem den Körper durchzieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000

Für wen dieser Reader zu Paul Austers Heimatstadt herausgegeben wurde, fragt sich Jan Wagner in seiner Besprechung. Das Buch biete dem Paul Auster Fan nicht viel neues: es enthält keine neuen Texte und die abgedruckten besitzen - wie der Rezensent meint - keine "Reiseführerqualitäten". Somit werfen sie "weder auf Paul Auster noch auf New York ein neues Licht". Wagner bemängelt die häufige Wiederholung von Motiven bei Auster und vermisst "persönliche Betrachtungen" des Autoren. Angesichts dieser Defizite kann er dem Buch keinen wirklichen Sinn abgewinnen. Lediglich als Kaufanreiz für potentielle Auster-Fans kann es seiner Meinung nach dienen, die "sich nach der unbefriedigenden Lektüre ... dem real thing, nämlich den Romanen selbst zuzuwenden" werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2000

In einer Doppelbesprechung widmet sich Bruno Steiger zwei jüngst erschienenen Bänden des amerikanischen Erfolgsautors Paul Auster, die er für ein Beispiel gut geplanter Selbstverwertung hält, ohne dass er damit den Wert dieser Bücher schmälern möchte.
1) Paul Auster: "Die Kunst des Hungers. Essays und Interviews"
Ausführlich widmet sich Steiger dem Essayband, dem ein programmatischer Aufsatz über Hamsuns Roman "Hunger" sowie eine Hommage an Kafka seinen Titel gegeben haben. Nach Steiger entwickelt Auster eine "Ästhetik des Hungers" und eine Theorie der Selbstausbeutung, wonach Schriftsteller gerade auch unter materiell miserabelsten Bedingungen zu produzieren verstehen. Interessant findet Steiger, dass sich Auster überwiegend europäischen Autoren widmet, die er amerikanischen Lesern zu vermitteln trachtet, weshalb er ganz pragmatisch vorgehe. Dennoch lasse der Feinschliff der Sprache Austers seine Verwurzelung in der europäischen Philosophie und Ästhetik deutlich spüren. Leider macht der Rezensent nicht deutlich, aus welchen Jahren die Aufsätze stammen. Er verweist lediglich auf die den Band abschließenden Interviews mit dem Autor, wo dieser über seine eigene literarische Produktion Auskunft erteilt und die jüngeren Datums zu sein scheinen.
2) Paul Auster: "Mein New York"
Auster erscheint Steiger, insbesondere nach Lektüre der Interviews aus "Die Kunst des Hungers", als zunehmend redundanter Autor, der eigentlich immer und mit ununterbrochener Besessenheit an dem gleichen Buch schreibe. Der Band "Mein New York" sei gleichsam das Modellbuch dafür. Es enthält längere und kürzere Textpassagen aus den Romanen Austers, die einen neuen Textfluß ergeben und die Stadt New York zur Hauptperson machen: "die Stadt selbst wird zum Roman der Fragmente" schreibt Steiger.