Paul Auster

Bericht aus dem Inneren

Cover: Bericht aus dem Inneren
Rowohlt Verlag, Reinbek 2014
ISBN 9783498000899
Gebunden, 368 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Paul Auster führt uns in seine frühe Kindheit, in die phantastische Welt vor den Begriffen, in der die Uhren noch Gesichter haben, die Stifte noch Flugzeuge und die Äste von Bäumen noch Arme sind. Auster beschreibt diese Welt mit großer Wärme und leichter Hand. Aber die Fragen, die er sich und uns stellt, haben Gewicht: Wann werden einem Menschen die Koordinaten bewusst, die sein Leben bestimmen? Ab wann begreift sich der kleine Junge aus New Jersey als Amerikaner? Wann als amerikanischer Jude? Der Leser wird Zeuge, wie Auster jenen Paul kennenlernt, der allmählich zum Künstler heranwächst, rastlos in winzigen Pariser Zimmern ausharrt, Drehbücher und Liebesbriefe schreibt, Ideen verfolgt und verwirft, die Studentenrevolte in New York erlebt und sich zunehmend dem Schreiben widmet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.01.2015

Kristina Maidt-Zinke ist nicht immer begeistert über das, was sie in Paul Austers Materialsammlung aus seinem Innenleben liest. Mitunter langweilt es sie und sie ist froh, wenn das Lesen von Austers Kindheitserinnerungen sie immerhin zu der Erkenntnis führt, dass dieser Autor vor seiner literarischen Karriere im Erleben, Fühlen und Denken absolut keine Ausnahmeerscheinung war. Als solche erweist er sich laut Rezensentin in diesem Band immerhin durch einen "coolen" Ton, wenn er über Baseball, Kino oder seine jüdische Herkunft nachsinnt. Kleine Eitelkeiten lässt die Rezensentin dem Autor jedenfalls durchgehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.11.2014

Außer Wein nicht viel gewesen? Wenn Hannes Stein Paul Auster besucht, kommt immerhin eine sensationelle Nachricht dabei heraus: Auster raucht nicht mehr! Abgesehen davon erfahren wir wenig Aufschlussreiches. Etwa, dass Austers neues Buch, das der Autor selbst zu seinen autobiografischen Schriften rechnet, dem Leser erschließt, wie es war, als Jude nach dem Krieg in New Jersey aufzuwachsen, oder, wie der Autor als junger Mann 1968 erlebte. Laut Stein fügt sich das Buch als "fünftes Fragment" einer Autobiografie Austers ganz gut in dessen Werk ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.10.2014

Der Autor entblößt sich gerade genug, um Judith von Sternburg für das Buch einzunehmen. Zwar hat die Rezensenten alle Zweifel angesichts der von Paul Auster für seine Erinnerungen gewählten Form des sich selbst adressierenden Erzählers ("irrwitzig künstlich"), doch scheint ihr das nur im ersten Teil des Buches problematisch. Der zweite Teil dann überrascht sie mit intensiven wie originellen Filmnacherzählungen, die ihr bezeugen, wie viel stärker als Bilder die Worte sein können und wie klärend eine Nacherzählung eines prägenden Kindheitserlebnisses. In diesem Fall, meint Sternburg, stört die künstliche "Pseudo-Erinnerung" gar nicht. Ebenso im dritten Teil. Hier geht der Autor laut Rezensentin das Problem der Erinnerung als solches an, zu Sternburgs Vergnügen mit leichter Hand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Richtig böse wird Rezensentin Julia Encke angesichts von so viel Narzissmus und Rücksichtslosigkeit, mit der Paul Auster ihrer Meinung nach dem Leser begegnet. Das vorliegende Buch, eine Art Auster-Erinnerungsorgie, hält sie für das enttäuschendste des Autors. Ein bisschen Koketterie wäre nicht schlimm, erklärt Encke ihre Wut, doch was Auster ihr hier bietet, geht ihr zu weit: Sehr wenige eindrucksvolle Anekdoten (über Thoams Edison) und sehr viel öde "Bewusstseinsstromerzählung" von Schulaufsatzformat, meint sie und ist einfach nur froh, als es zu Ende ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Mit "Bericht aus dem Inneren" legt Paul Auster einen neuen Teil seiner autobiografischen Recherche vor und Rezensent Jürgen Brocan zeigt sich von diesem Komplementärbuch zum Vorgänger "Winterjournal" begeistert. Ihm erscheint dieser neue Band als "Triptychon der Introspektion", das gänzlich uneitel von bruchstückhaften Eindrücken und Unberechenbarkeiten des Lebens erzählt, die den Menschen schließlich formen. Gebannt folgt der Kritiker Auster, wie er zunächst seiner frühkindlichen Entwicklung nachspürt, plötzlich sein Judentum wahrnimmt und ein feines Gespür für Schicksale und politische Ungerechtigkeiten entwickelt. Großartig auch, wie er die ersten prägenden Filme seines Lebens nacherzählt und deutlich macht, wie sehr sie seine Imagination beeinflusst haben, meint der Rezensent. Vor allem aber bewundert Brocan den dritten Teil dieses Bandes, in dem Auster einige verlorengegangen geglaubte Briefe entdeckt und beobachtet, wie "nüchtern" er von den Erschütterungen des Vietnamkriegs, finanziellen Sorgen oder seinen ersten Erfolgen als Autor und Drehbuchschreiber berichtet. Ein hinreißendes, lesenswertes und originelles Buch, das in seiner zwischen Nüchternheit und Poesie oszillierenden Sprache und mit "unprätenziösen" Alltagsbeobachtungen vielmehr das Porträt eines Menschen im Amerika der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als eine klischierte Schriftsteller-Autobiografie ist, lobt der Rezensent.
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