Paul Auster

Unsichtbar

Roman
Cover: Unsichtbar
Rowohlt Verlag, Reinbek 2010
ISBN 9783498000813
Gebunden, 320 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz. Frühling 1967 in New York. Der zwanzigjährige Student Adam Walker trifft auf den enigmatischen Franzosen Rudolf Born und dessen stille, aber verführerische Freundin Margot. Schon bald sieht er sich verstrickt in eine eigentümliche Dreiecksgeschichte, die in einem traumatisierenden Akt der Gewalt gipfelt und sein Leben für immer verändern wird. Aus der Sicht dreier Erzähler, über einen Zeitraum von 40 Jahre, berichtet dieses Werk über den Zorn der Jugend, ungezügelte Lust und die gnadenlose Jagd nach Gerechtigkeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2010

Für Rezensent Daniel Ammann handelt es sich bei "Unsichtbar" um seinen sehr typischen Paul-Auster-Roman. Etliche ezählerische Finten hat er ihr entdeckt, sich von ihnen auf falsche Spuren locken und ins Leere laufen lassen. Auch darüber hinaus gibt es in den Augen des Rezensenten eine Menge vertrauter Elemente: reichlich Erzählerstimmen, einen "doppelten Boden" und ein "Buch im Buch". Dem Rezensenten scheint es zu gefallen, er lobt Cleverness und "postmodernes Raffinement". Auch wie Auster verschiedene literarische Genres in seine Erzählung integriert, mag Ammann, zumindest über weite Strecken. Nur die "filmischen Wendepunkte" und manche direkte Rede erscheinen ihm etwas zu übertrieben und mitunter "trivial".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.07.2010

Routiniert bespricht Hubert Winkels einen anscheinend ebenso routinierten neuen Auster-Roman. Dieser Roman, lesen wir beispielsweise, sei genauso halbseiden, so spannend wie akademisch, unentschieden zwischen Suspense-Dramaturgie und poetologischem Rätsel wie andere Auster-Romane auch. Nur mit den Sexszenen sei es diesmal anders, da es sich um Inzest handele, was Winkels als Tabuüberschreitungsversuchs aber eher "angegraut" findet. Insgesamt kommt ihm diese Geschichte wie eine Art postmodernes "Wälsungenblut" vor, leicht eklektizistisch, mäßig fesselnd. Erst am Ende kommt Intensität auf, wie Winkels schreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2010

"Das Machtvolle bleibt unsichtbar." So lautet der rätselvolle letzte Satz von Tobias Dörings begeisterter, wenn auch leicht verhaspelter Kritik des neuesten Auster-Romans. Der enthält, wenn man dem Rezensenten glaubt, einige Bestandteile einer echten Räuberpistole - von Campus-Sex bis Spionageroman -, aber immer dann, wenn der Leser sich wohlig in den Erzählstrom sinken lassen will, werden Perspektiven gebrochen, Erzählhaltungen variiert, Illusionen zerrissen. Döring hat der Roman dennoch Lust bereitet, eine Lust zweiten Grades über das intelligente literarische Spiel. Das sei zwar alles nicht neu, auch die Postmoderne sei bekanntlich in die Jahre gekommen. Aber wer Neues will, der soll eben nicht Auster lesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.07.2010

Rezensentin Judith von Sternburg zeigt sich ein bisschen hin- und hergerissen in ihrer Bewertung dieses neuen Romans von Paul Auster. Erzählt wird - wie sollte es anders sein bei Auster - eine Geschichte in der Geschichte: Ein Schriftsteller bekommt ein Manuskript zugeschickt, in dem Adam Walker vom Sommer seiner Jugend erzählt, dem des Jahres 1967, und seiner Inzestbeziehung zu seiner Schwester, was sich zu erheblichen Verwicklungen steigert. Ihrer Meinung nach ist die Quintessenz des Romans, dass der Autor erzählerisch immer genau das Gegenteil tut, was er vorgibt zu tun - und dass das am Ende erstaunlich gut aufgeht. Beispielsweise wird die "Konstruktion" dieses komplizierten und bisweilen verwirrenden Buches, das Sternburgs Einschätzung nach direkt aus dem "Handbuch für den fortgeschrittenen Schriftsteller" zu sein scheint, möglichst transparent gemacht - was es aber zum Erstaunen der Rezensentin für den Leser noch spannender macht. Ebenfalls überrascht stellt sie fest, dass es gerade "unverschämte Maßlosigkeit" der Geschichte ist, die Auster als "wirklich souveränen Schöpfer" erscheinen lässt -  in ihren Augen ein Beleg dafür, dass er sein Handwerk wirklich beherrscht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2010

Rezensent Christopher Schmidt gibt sich als klarer Paul-Auster-Fan zu erkennen, und hat mit diesem Roman noch einmal ganz neue Nahrung für seine Liebe gefunden. Denn mit "Unsichtbar", meint Schmidt, habe Auster sich selbst übertroffen. Auster erzählt darin von Adam, der als Schriftsteller scheitert und einen neuen Anlauf als Armenanwalt nimmt, mit dem Bruch im Leben sind ein Bruch seines Selbst verbunden und eine rätselhafte Episode, in der Adam kurz vor dem Sommer 1967 nach Paris fliegt, um einen Mord zu rächen. Aber auch wenn Auster diese Geschichte so flüssig und "geradezu plot-driven" erzählt, wie es nur ein amerikanischer Autor könne, erweise er sich trotzdem wieder als der postmodernste unter ihnen, Schmidt adelt ihn gar zum "Transzendenzphilosophen". Viele doppelte Böden sind hier eingebaut, ein Kabinett aus Spiegeln, Falltüren und Fantasien. Findet man sich selbst im Leben der Selbstlosigkeit? Wie wird man selbst sichtbar in einem Leben für die Unsichtbaren? Aber Selbstfindung und -erkenntnis sieht Schmidt hier nicht nur auf einer persönlichen Ebene verhandelt , sondern auch auf der politischen: Unter narzisstischen Störungen können auch Länder leiden. Das ist es, was für Schmidt dieses Buch einfach "großartig" macht.
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