Siegfried Kracauer

Kleine Schriften zum Film. 3 Teilbände

Werke in neun Bänden, Band 6

Klappentext

Mit dieser Ausgabe wird das Werk des Schriftstellers, Philosophen, Soziologen und Filmtheoretikers Siegfried Kracauer (1889-1966) erstmals umfassend zugänglich gemacht. Neben bereits erschienenen Schriften Kracauers enthält die Ausgabe auch eine Vielzahl von bisher unbekannten Texten sowie Studien, Entwürfe und Varianten aus dem umfangreichen Nachlass. Alle Texte werden kritisch durchgesehen und kommentiert. Die Schriften zum Film, die den Zeitraum von 1921 bis 1961 umfassen,versammeln in chronologischer Folge sämtliche kleineren Film-Texte Kracauers: rund 800 Kritiken, Rezensionen, Essays, Feuilletons sowie nachgelassene Typoskripte und Entwürfe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2004

Geradezu stupend findet der Rezensent Hendrik Feindt den Fleiß des filmkritischen Tagesjournalisten Siegfried Kracauer - und zählt gar die in einer Woche des Jahres 1929 in der "Frankfurter Zeitung" fast täglich erschienenen Kritiken auf. Dabei spielte Kracauer zunächst nur die zweite Geige, bekam die Durchschnittsfilme zugeteilt, blieb lange den Starkritikern des Blattes untergeordnet. Die meisten dieser Texte, also hunderte von Rezensionen zu allerdings eben oft ganz und gar nicht bedeutenden Filmen, waren längst nicht mehr greifbar, so Feindt. Umso größer das Verdienst dieser Ausgabe, die nun den Einblick in das Frühwerk des erst spät als Theoretiker des Films zu Ruhme gelangten Autors ermöglicht. Zu beobachten sei freilich schon in diesen in den zwanziger und dreißiger Jahren entstandenen Texten das später ausgearbeitete Verständnis Kracauers, der den Film als Möglichkeit zur "Errettung der Wirklichkeit" begreift - und entsprechend mit dem abstrakten Film überhaupt nichts anzufangen weiß. Die ausführlichen Kommentare zu dem Band schwanken, so Feindt, zwischen "quellenhistorisch aufschlussreich" und "enzyklopädisch überflüssig". Letzteres aber scheint der einzige Makel der Ausgabe, und zwar ein geringer.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.07.2004

Am besten nähert man sich den Texten Siegfried Kracauers mit "unsystematisch schweifender Lust", meint Rezensent Jörg Becker. Beim "Durchstöbern" der von Inka Mülder-Bach herausgegebenen Filmkritiken durchquere der Leser einen "versunkenen Kontinent", an dessen "Kartografie" der Liebhaber des Films sein Leben lang gearbeitet habe. Das Augenmerk der Sammlung, die den Auftakt zu einer neunbändigen Kracauer-Werkausgabe bildet, liegt auf den Jahren 1921-1933, der Zeit, in der der Autor noch junger Redakteur bei der Frankfurter Zeitung war, für die allein er schon 500 Besprechungen geschrieben hat. Ziel des Kritikers war es, den Subtext der Massenware Film zu enthüllen, die "sozialen Absichten", die sich hinter den Bildern verbergen. Ein Gesellschaftskritiker wollte Kracauer sein und der Rezensent betrachtet diese Selbstverpflichtung als erfüllt: Hat der Kritiker doch "im Abgleich von Schein und Wirklichkeit" die "Gespenster durchschaubar gemacht", die sich "an unser Leben heften".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.05.2004

Höchstes Lob zollt Thomas Meyer den Herausgeberinnen dieser Werkausgabe. Zu seiner Freude haben sich Ingrid Belke, Sabine Biebl und Mirjam Wetzel nicht mit den "üblichen Archivrecherchen" begnügt, sondern "Tausende von schwer erreichbaren Details zu Filmen zusammengetragen, die zum Teil nicht mal mehr in Kopie existieren". Der vorliegende sechste Band mit Kracauers frühen Schriften zum Film hat ihn auch deshalb überzeugt, weil er nicht nur Kracauers Bedeutung für die Etablierung des damals jungen Genres reflektiert, sondern auch den "Entwicklungsgang des Autors" erkennbar werden lasse. Tag für Tag, erzählt Meyer, habe sich Kracauer ins Kino gesetzt, vieles schnell abgehandelt, anderes wiederum zum Ideal erklärt, um "die Unterschiede von Masse und Klasse besser festlegen zu können", wobei er sich auch als früher Chronist des von der Filmindustrie "kalkulierten Wechsels von der flott verdienten Mark und der Ideologisierung der Massen" erwiesen hat. Und so schließt Meyer seine durch und durch positive Kritik mit großem Worte: "Der Suhrkamp Verlag und die Leser haben einen großen Autor wiedergewonnen."