Für oder gegen Hollywood - von dieser Alternative sollte sich eine Theorie des Kinofilms befreien. Der Frankfurter Philosoph Martin Seel demonstriert in seinem Buch "'Hollywood' ignorieren. Vom Kino", wie dies gelingen kann. Ob es um das Verhältnis von Bewegung und Stillstand, Erzählung und Gegenerzählung, Gesetz und Gewalt oder um die Transformation filmischer Genres geht: Jedes Mal kommt ein Spektrum heterogener Darstellungsmöglichkeiten in den Blick. In Analysen einzelner Filmen sowie der Reaktionen des Kinos auf den zweiten Irakkrieg wird die Reichweite filmischer Weltbezüge vorgeführt. U. a. über die Filme von John Ford: "The Man who shot Liberty Valance"; Jean-Luc Godard: "Vorname Carmen"; Michael Mann: "Heat"; Michael Haneke: "Caché"; Francis Ford Coppola: "Apocalypse Now" und Clint Eastwood: "American Sniper".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017
Rezensentin Verena Lueken merkt an, dass bis auf zwei Beiträge sämtliche Texte im Band von Martin Seel bereits anderswo publiziert wurden. Eine Perspektive auf Hollywood abseits von Hollywood bietet ihr der Band in "komplexer" Beobachtung von Bild und Ton. Vor allem die beiden Texte über John Ford-Western und der über "Apokalypse Now" beeindrucken Lueken durch intime Werkkenntnis und minutiöse Beobachtungen, auch wenn dem Autor der Buchtitel dabei etwas aus dem Blick gerät, meint Lueken.
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