Sergio Ramirez

Adios Muchachos!

Eine Erinnerung an die sandinistische Revolution
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2001
ISBN 9783872948717
Broschiert, 280 Seiten, 17,79 EUR

Klappentext

Aus dem nicaraguanischen Spanischen von Lutz Kliche. Als 1990 die Wahlen für Nicaragua für die Sandinisten verloren gingen, gingen Träume und Hoffnungen verloren, nicht nur für Nicaragua. Es schien, als wäre die Vision von der Möglichkeit der Veränderung unserer Welt ins Leere gelaufen. Sergio Ramirez hat als wichtigste Gestalt der bürgerlichen Opposition und als gewählter Vizepräsident Nicaraguas die Ereignisse der 70er und 80er Jahre hautnah miterlebt. Er benutzt seinen Rückblick nicht zur Abrechnung mit der jetzigen Führung der Sandinisten, mit der er gebrochen hat, um eine eigene Partei zu gründen. Ihm ist es wichtiger, zu erzählen - und Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2001

Ein Erinnerungsbuch, frei von Verbitterung und persönlichen Abrechnungen, das sei schon eine Seltenheit, meint Frank Niess und möchte den Lesern darum wärmstens Sergio Ramirez' Memoiren empfehlen. 1974 schloss sich Ramirez der sandinistischen Revolution an, berichtet Niess, blieb jedoch stets in der Rolle des Intellektuellen, des Vermittlers, der nicht selbst zu den Waffen griff. Er wurde schließlich nicaraguanischer Vizepräsident und blieb bis 1990 im Amt, dem Jahr, in dem die Sandinisten die Wahlen verloren. Das sei auch das eigentliche Thema des Buches, meint Niess: wie es zu dem desaströsen Wahlergebnis kommen konnte. Ohne Häme reflektiere Ramirez den Niedergang der sandinistischen Revolution, und könne durchaus auch deren Errungenschaften sehen: dass es überhaupt so etwas wie eine politische Kultur in Nicaragua gebe, schreibe Ramirez den Sandinisten gut. Allerdings habe ihr Dogmatismus auch zu einem Realitätsverlust geführt, der sich mit der neuen teildemokratischen Kultur schlecht vertrug, lautet das Fazit von Niess.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.07.2001

Bremens Bürgermeister Henning Scherf rezensiert das Buch von Sergio Ramirez aus der Perspektive des Kombattanten. Der Rezensent erzählt von seinem eigenen Einsatz als Kaffeepflücker, den er 1983 als Sympathisant der Sandinisten absolvierte. Nicaragua, betont Scherf, war in den siebziger Jahren Symbol für alle, die die Welt noch verbessern wollten, und insofern ortet er in Ramirez Erinnerungsbuch auch einen hoffnungsvollen Blick nach vorn. Spürbar werde aber auch die prekäre Spannung zwischen den Träumen westlicher Seminar-Sozialisten und den Schwierigkeiten, eine Gesellschaft wirklich gerechter und freier zu gestalten. Ramirez beschreibe genau und mitfühlend die Stärken und Schwächen der sandinistischen Revolution. Mit Leidenschaft und ohne Larmoyanz wirft der Autor nach Ansicht des Rezensenten einen wachen und eigenen Blick zurück, ohne Hang zu nachträglicher theoretischer Rechtfertigung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.07.2001

In einer Doppelrezension bespricht Kersten Knipp zwei Bücher über die nicaraguanische Revolution und die anschließende Regierung der Sandinisten. Das Motiv beider Bücher sieht er im Wunsch der Autoren, die beide dem Widerstand gegen Somoza angehörten, nach einer Bestandsaufnahme. Die sei auch nötig, weil die neoliberalen Wirtschaftreformen in Nicaragua bislang wenig fruchteten und das Land noch immer zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas zähle.
1.) Gioconda Belli. "Die Verteidigung des Glücks" (Hanser Verlag)
Gioconda Belli, so der Rezensent, erzähle sehr plastisch von ihren abenteuerlichen Jahren im Untergrund. Sie berichte beredt von heroischen Taten im Widerstand, heimlichen Grenzübertritten oder auch klandestinen Flügen nach Panama. Auch darüber, was es heißt, in ständiger Angst vor den Häschern des Systems leben zu müssen, und mit welchen Kniffen die Spitzel zu täuschen sind, werde der Leser sehr extensiv informiert. Doch Belli nimmt dem Rezensenten dabei eine viel zu verklärend-romantische, ja gar nostalgische Haltung ein. Sehr verwundert zeigt Knipp sich zudem auch darüber, dass die Autorin dem Leser recht offenen Einblick in ihr reichlich genossenes Liebesleben gewährt.
2.) Sergio Ramirez: "Adios Muchachos" (Peter Hammer Verlag)
Demgegenüber gefällt Sergio Ramirez' Buch dem Rezensenten besser. Es sei sehr viel zurückhaltender, analytischer und auch selbstkritischer geschrieben, befindet er erfreut. Ramirez komme das große Verdienst zu, die populäre Behauptung zu relativieren, der zu Folge die Wahlniederlage der Sandinisten im Jahr 1990 vor allem auf den zermürbenden Krieg gegen die von den Anhängern des Ex-Diktators Somoza gegründeten und von den USA massiv unterstützten "Contras" zurückzuführen sei. Ramirez betont, dass die Sandinisten für ihre Niederlage auch selbst verantwortlich waren, indem sie nämlich Züge einer autoritär-leninistischen Kaderpartei annahmen. Dass sie dem politischen Gegner nach der Wahlniederlage dennoch die politische Macht überließen, hält Knipp, hierin ganz d'accord mit Ramirez, für die größte Leistung der Sandinisten. Jetzt, so schließt der Rezensent zufrieden, benötige Nicaragua das Know-How fähiger Ökonomen.
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