Beginnend mit den Aufständen der Intellektuellen in den 50er Jahren, widmet sich Ernesto Cardenal im letzten Band seiner Erinnerungen ausführlich den Ereignissen der sechziger und siebziger Jahre: der Unterstützung des politischen Widerstandes von Solentiname aus, den Streiks und Demonstrationen, die der Priester und Dichter als Sprecher begleitete. Cardenal erzählt vom weltweiten Aufbau der Solidaritätsbewegungen, von den Gesprächen mit Gaddafi, Ayatolla Khomenei, Willy Brandt, Fidel Castro. Er lässt seine Zeit als Kulturminister Revue passieren und endet schließlich mit seinem Austritt aus der FSLN.
"Es gibt großartige Momente in diesem Buch", versichert Christoph Twickel und erzählt von dem Papstbesuch 1983 in Nicaragua, als Johannes Paul II. gegen die Befreiungstheologie predigte und sich als Antwort von der lauschenden Massen die Hymne der FSLN entgegen schmettern lassen musste. Dennoch ist der Rezensent nicht sehr glücklich mit dem Buch. Die "sentimentale Aura", die die Erinnerungen des ehemaligen Trappistenmönchs und späteren Kulturministers Ernesto Cardenal umweht, geht Twickel doch ein wenig auf die Nerven. "Schadstoffarme Erbauungslektüre für linke Menschen" nennt er das Buch. Doch gleich hat er, der damals auch in Nicaragua war, ein schlechtes Gewissen ob dieser Kritik: Schließlich sei Cardenal, im Gegensatz zu den meisten seiner Mitstreiter, nach der Revolution sauber geblieben und habe sich nicht bereichert. Dennoch hätte sich Twickel zumindest einen etwas konkreteren Schluss gewünscht. Cardenal hoffe auf die Globalisierungskritiker, erwähne jedoch nicht, dass mit Hugo Chavez in Venezuela ein Mann Präsident wurde, der den Faden der "neuen Linken" in Lateinamerika wieder aufnimmt, so Rezensent.
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