Aus dem Spanischen von Carsten Regling. Geboren zu Beginn des Ersten Weltkriegs irgendwo an der norddeutschen Küste, erlernt der Maler Karl Gustav Friedrich Prohaska in Berlin das Handwerk des Fotografen und begleitet fortan die nationalsozialistische Todesmaschinerie mit dem unerbittlichen Auge einer Kamera: Für das Reichspropagandaministerium fotografiert und filmt er Szenen des Genozids in Kaunas ebenso wie in Dachau, wo sein jüdischer Freund und späterer Biograf Stelenski interniert ist. Und weil Prohaska die zentralen Medien der Moderne beherrscht - Malerei, Fotografie, Film -, wird er nach der Naziherrschaft zum künstlerischen Archivar sämtlicher Schrecken des 20. Jahrhunderts, er dokumentiert die verheerenden Diktaturen in Nicaragua ebenso manisch - und dennoch stets distanziert - wie das Leiden der Überlebenden von Hiroshima.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.05.2014
"Schwitzende Gewolltheit" attestiert Rezensent Ralph Hammerthaler Ricardo Menéndez Salmóns neuem Roman "Medusa". Eigentlich schätzt der Kritiker nicht nur den spanischen Autor und Historiker, sondern auch das Genre der erfundenen Romanbiografie. Dennoch muss er feststellen, dass ihm Menéndez Salmóns neuer Protagonist, ein Fotograf und Filmemacher, der lange Zeit im Dienste der Nazis stand, zunächst Exekutionen, medizinische Versuche mit Gefangenen und sonstige Leiden der Opfer filmte und fotografierte, um nach dem Krieg verschiedene Grausamkeiten und Verbrechen etwa in Franco-Spanien oder Japan zu dokumentieren, zu seelenlos und konstruiert erscheint. Auch Menéndez Salmóns Idee, dem Fotografen nach Kriegsende einen jüdischen Mentor an die Seite zu stellen, der ihm zum Durchbruch als Künstler verhilft, gerät dem Rezensenten moralisch zu flach. Wenn der Autor schließlich auch noch beginnt, seinem Fotografen allerhand triviale Reflexionen über die Abgründe des Daseins in den Mund zu legen, ist für Hammerthaler das Potential dieses Romans vollends verspielt.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…