Sascha Reh

Gegen die Zeit

Roman
Cover: Gegen die Zeit
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783895610875
Gebunden, 360 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

Anfang der siebziger Jahre herrscht Aufbruchsstimmung in Santiago de Chile: Der sozialistische Präsident Salvador Allende ist fest entschlossen, das Land aus seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit zu führen und die Not der verarmten Bevölkerung zu mildern. Dafür setzt er auf ein kühnes Projekt: Die Fabriken des unwegsamen Andenstaates sollen vernetzt und von einem zentralen Rechner gesteuert werden. Ein internationales Team, unter ihnen der junge deutsche Industriedesigner Hans Everding, wird beauftragt, das Datennetzwerk aufzubauen. Begeistert ergreift Hans die Chance, an der Revolution mitzuwirken und für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Der Putsch des Militärs setzt diesem Traum jäh ein Ende. Alle, die an dem Netzwerk mitgearbeitet haben, geraten in Lebensgefahr. Niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist, und die gesammelten Daten dürfen keinesfalls in falsche Hände geraten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2016

Als geglückt und erstaunlich aktuell bezeichnet Martin Zingg den dritten Roman von Sascha Reh. Die Geschichte des frühen Versuchs einer groß angelegten gesellschaftlichen Veränderung durch den Einsatz neuer Technologie, Kybernetik und Management, in Allendes Chile erzählen ihm der Autor und sein Erzähler, ein deutscher Industriedesigner als Entwicklunghelfer, in einer geschickten Verbindung aus Vergangenheit (in der Rückschau) und Gegenwart, präzise und lebendig, wie Zingg versichert. Verblüfft hat den Rezensenten, dass die Geschichte historisch verbürgt ist. Im Buch begegnet sie ihm "sorgfältig recherchiert" wieder.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.12.2015

Linksploitation mit stark cineastischen Qualitäten erkennt René Hamann in Sascha Rehs drittem Roman. Selbst wenn nicht alles historisch garantiert ist, wie Hamann herausfindet, nehmen ihn der gerade, temporeiche Stil und die auf Originalquellen basierende 1973 spielende Geschichte um einen aus Frankfurt stammenden Revoluzzer auf Chilereise doch mit. Die Vergleiche mit Bolaño leuchten dem Rezensenten ein, nicht aber die mit Borges oder Marquez. Magischen Realismus kann er im Buch nicht erkennen, dafür einen spannenden Plot mit viel Zeitkolorit und Revolutionsromantik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2015

Bewundernswerte "Weltläufigkeit" attestiert Rezensent Kai Sina Sascha Rehs neuem Roman "Gegen die Zeit", den er nicht nur als hervorragend recherchierten historischen Roman, sondern zugleich auch als ebenso fesselndes wie aktuelles Buch über die Missbrauchsmöglichkeiten von "Big Data" lobt. Der Kritiker taucht hier ein ins sozialistische Chile Salvador Allendes und erlebt hautnah, wie der Erzähler, der junge deutsche Industriedesigner Hans Everding, an dem Versuch mitwirkt, die chilenische Wirtschaft durch computergestützte Netzwerke und Kontrolle effizienter und produktiver zu machen. Mit angehaltenem Atem lässt sich der Rezensent von dieser eindringlichen Hide-and-seek-Story mitreißen, folgt den harten Schnitten Rehs, der Hans' Lebensgeschichte und die Geschichte des Cybernet skizziert, Pinochets Militärputsch und die Folgen thematisiert und neben einer etwas "klischeehaften" Story von Liebe und Verrat auch tiefgreifende philosophische Exkurse über die Dynamik von Protestbewegungen und wissenschaftshistorische Reflexionen über die Verstrickungen von Politik, Wissenschaft und Technik liefert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2015

Einen hochinteressanten Politroman, angereichert mit Liebes- und Spannungselementen, hat Rezensent Helmut Böttiger mit Sascha Rehs neuem Buch "Gegen die Zeit" gelesen. Der Kritiker lässt sich hier ins Chile Salvador Allendes entführen und begleitet den deutschen Industriedesigner Hans, der aus dem politisch aufgeheizten Frankfurt der Siebziger nach Chile reist, um dort als Entwicklungshelfer ein Datennetzwerk zur Effizienzsteigerung der chilenischen Wirtschaft aufzubauen. Nicht nur packend, sondern auch äußerst lehrreich erscheinen Böttiger Rehs Schilderungen des von dem Kybernetiker Stanley Baud entwickelten "Cybernets", das die neue Technik für ein nicht totalitäres antikapitalistisches Gesellschaftssystem liefern sollte. Großartig, wie der Autor die Zukunftshoffnungen und Brutalität zum Ende der Allende-Regierung in einem "reportagehaften" Stil gegeneinander schneidet, lobt der Rezensent, der allerdings gelegentlich über das ein oder andere Klischee bzw. ausgediente Bild stolpert.
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