Mario Cruz

Der Prinz

Roman
Cover: Der Prinz
Albino Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783863002947
Kartoniert, 128 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem chilenischen Spanisch von JJ Schlegel. Mit einem Nachwort von Florian Borchmeyer. Chile, Anfang der siebziger Jahre. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der junge Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis landet er in einer Gruppenzelle, in der ein gefürchteter Anführer das Sagen hat, den alle nur "El Potro", den jungen Hengst, nennen. El Potro wird Jaimes Beschützer und macht ihn zu seinem neuen "Prinzen", erwartet dafür aber Loyalität und sexuelle Unterordnung. Die "Liebe im Dunkeln" zwischen den beiden erfüllt Jaimes Bedürfnis nach Zuneigung und Zugehörigkeit, weckt in ihm aber auch die Lust, selbst zum Anführer zu werden. Doch dann entbrennt im Knast ein brutaler Machtkampf. Mit seinem Roman "Der Prinz" führt uns Mario Cruz in eine Welt der Hierarchien und Machtproben, deren Doppelbödigkeit er in knapper, schnörkelloser Sprache offenlegt: so unmoralisch wie naiv, so zart wie fatalistisch. Der 1972 im Selbstverlag gedruckte Roman avancierte in Chile zunächst zum Underground-Hit, geriet nach der Machtergreifung Pinochets aber in Vergessenheit und wird hier zum ersten Mal wieder veröffentlicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2020

Gustav Seibt hält erstmalig den Text von Mario Cruz aus dem Jahr 1972 in deutscher Übersetzung in Händen. Die Geschichte einer schwulen Randexistenz in Chile liest er als Liebesgeschichte mit tödlichem Ausgang, "zart hingeworfen", verfasst im proletarischen Jargon. Seibt erinnert die stets "am Rand des Gewaltausbruchs" balancierende, zwischen Krassheit und Zartheit changierende Geschichte an Pasolini. Dass es bei aller Deutlichkeit im Text nie pornografisch wird, hält er für eine nicht geringe Leistung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.10.2020

Rezensent Dirk Fuhrig verrät zunächst etwas über Autor und Entdeckung dieses Romans: Der chilenische Schriftsteller Mario Cruz arbeitete als Theater- und Filmkritiker und veröffentlichte das Buch 1972 vermutlich im Selbstverlag. Der chilenische Filmregisseur Sebastian Munoz entdeckte den Roman auf einem Markt in Santiago und verfilmte ihn im vergangenen Jahr. Literarisch mag der Text nicht allzu viel hermachen, räumt Fuhrig ein - zu konturlos erscheinen ihm etwa die Figuren. Dennoch empfiehlt er die in einem Männergefängnis im katholischen Chile der Siebziger spielende schwule (Liebes-)Geschichte ziwschen zwei Häftlingen als lesenswertes, historisches Dokument: Wie homophob auch die sozialistischen Revolutionäre unter Salvador Allende waren, lernt er im Roman ebenso wie im instruktiven Nachwort von Florian Borchmeyer.

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