Victor Farias

Die Nazis in Chile

Philo Verlag, Berlin - Wien 2002
ISBN 9783825702984
Kartoniert, 323 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Kerstin Clausen. Victor Farias wurde in Deutschland durch seine aufsehenerregende Arbeit "Heidegger und der Nationalsozialismus" bekannt, in der er die Verwicklungen seines philosophischen Lehrers mit dem Nationalsozialismus nachwies. In "Die Nazis in Chile" führt er auf exemplarische Weise die außenpolitische Expansionsstrategien des NS-Staates vor. Neben der ausführlichen Erörterung zahlreicher Aspekte der Verflechtung nationalsozialistischer und chilenischer Interessen geht Farias auch auf die politische Glaubwürdigkeit Salvador Allendes ein, mit dessen Wissen Chile über Jahre international gesuchte Naziverbrecher vor ihrer Auslieferung und Verurteilung beschützte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.01.2003

Victor Farias' Studie "Die Nazis in Chile", die eine Vielzahl von Fällen der Kollaboration zwischen Chile und Nazideutschland dokumentiert, hat Rezensent Christian Jostmann nicht wirklich überzeugt. Wie schon bei seinem vor fünfzehn Jahren erschienenen provokanten Buch über Heidegger merkt man Farias nach Jostmanns Ansicht den "agent provocateur" auch in seinem neuen Buch an. Anstoß nimmt Jostmann vor allem daran, wie Farias, der den Nationalsozialismus für eine Geisteskrankheit halte, die "grundlegend in der antisemitischen deutschen Kultur verwurzelt" sei, diesen Ansatz in die Praxis umsetzt. So beanstandet er, dass Farias keine systematische und kritische Sichtung der Quellen betreibe, keine abwägende und vergleichende Einordnung der Befunde leiste, und keine ernsthaften Versuche unternehme, das Verhalten der Akteure differenziert zu erklären. "Stattdessen", ärgert sich Jostmann, "reiht er gnadenlos Dokument um Dokument aneinander und bricht über alles den gesinnungsethischen Stab." Bedauerlich findet Jostmann zudem, dass das Buch in der deutschen Ausgabe nicht grundlegend überarbeitet wurde. So werde der Stand der europäischen Forschungsdiskussion "souverän ignoriert", die Übersetzung sei stellenweise wörtlich bis zur Sinnentstellung. Immerhin hält Jostmann dem Autor zu Gute, dass er eine Fülle von Quellen zur bislang wenig erforschten Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus in Chile erstmals zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat: "Jetzt", so der Rezensent spöttisch, "muss nur noch einer kommen und aus seinen Funden ein gutes Buch machen."
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