Der Kampf gegen Antisemitismus ist erst seit kurzem systematische Aufgabe des Staates. Der Weg zur einer vollumfänglichen Antisemitismusbekämpfung ist noch weit, die Verzahnung von Prävention, Intervention und Repression dabei die zentrale Herausforderung. Das Selbstverständnis der Bundesrepublik als wehrhafte Demokratie bildet hierfür einen zentralen Rahmen - auch wenn es oft in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Angesichts des Erstarkens des Antisemitismus wirkt der Kampf nicht selten wenig wehrhaft, ja gar bisweilen sogar wehrlos. Eine Neujustierung der wehrhaften Demokratie in der Bundesrepublik kann helfen, Potenziale auszuschöpfen und Mängel zu beheben. Und mehr noch: gerade das Selbstverständnis als wehrhafte Demokratie als zentralen Anker im Kampf gegen Antisemitismus zu begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2024
Rezensent Robert Probst lernt von Samuel Salzborns Essay, dass die Demokratie nicht nur von rechtspopulistischer Seite her gefährdet ist. Vielmehr haben sich, fasst Probst die Argumentation zusammen, Rechte, Linke und Islamisten zu einer gemeinsamen Front gegen eine vermeintliche jüdische Weltverschwörung zusammengeschlossen. Um der entgegenzutreten, soll man, so Salzborn laut Probst, nicht so sehr auf Pädagogik setzen, weil man es mit Leuten zu tun hat, die nichts lernen wollen; vielmehr sollen die Machtmittel des demokratischen Rechtsstaats ausgeschöpft werden. Das alles formuliert der Politikwissenschaftler und Antisemitismusbeauftragte des Landes Berlin verdichtet und in akademischer Sprache, beschreibt der dem Buch insgesamt zugetane Rezensent.
In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit, aber Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine Gefahr für die Demokratie, möchte Rezensent Julien Reitzenstein nach der Lektüre dieses Buches von Samuel Salzborn noch einmal klarstellen. Salzborn, Berliner Antisemitismus-Ansprechpartner und Antisemitismus-Forscher, fragt sich hier, wie und in welchem Ausmaß Antisemitismus die Demokratie gefährdet, erfahren wir. Dafür wirft er auch einen Blick in die Weimarer Republik, deren Scheitern nicht zuletzt auch an ihrer Toleranz des Judenhasses lag, erklärt der Kritiker. Er empfiehlt das Buch als solide Grundlage für fundierte Diskussionen in der demokratischen Öffentlichkeit.
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