Samuel Salzborn

Kollektive Unschuld

Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern
Cover: Kollektive Unschuld
Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783955653590
Gebunden, 136 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah galt lange als bundesdeutsche Erfolgsgeschichte. Dieses Image beginnt mit der zunehmenden Rechtsradikalisierung in Politik und Gesellschaft mehr und mehr zu bröckeln. Das vorliegende Buch zeigt, dass in diesem bundesdeutschen Selbstbild immer schon die Geschichte der Schuld- und Erinnerungsabwehr, der Täter-Opfer-Umkehr, der Selbststilisierung als Opfer und der antisemitischen Projektion ausgeblendet wurde. Eine (selbst-)kritische Aufarbeitung der Vergangenheit hat auch 75 Jahre nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus auf gesellschaftlicher Ebene kaum stattgefunden: durch die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern manifestiert sich vielmehr ein Selbstbild, das um den Mythos kollektiver Unschuld kreist.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.03.2020

Rezensent Carsten Hueck wünscht dem Buch des Politikwissenschaftlers Samuel Salzborn viele Leser. Die müssen sich allerdings damit arrangieren, meint er, dass der Autor vorwiegend Bekanntes berichtet, einen Haufen eigener Schriften zitiert und zu lange Sätze baut. Als Belohnung winkt laut Hueck ein Essay, der sich der Frage widmet, wieso völkisches Denken und Antisemitismus zurück sind, und der darauf eine durchaus brisante Antwort hat: Beides war nie wirklich weg, Heimatidyllisierung und Täter-Opfer-Verdrehung fand und findet weiterhin statt, zur Not verkleidet als Israelkritik.