Die Erinnerungskultur an den Holocaust befindet sich im Umbruch. Nur noch wenige Überlebende können von ihren Erfahrungen berichten und schon heute ist das kollektive Gedächtnis im hohen Maße medial vermittelt. Im Zuge dieses Wandels nehmen Bilder an gesellschaftlicher Bedeutung weiter zu. Doch obwohl die gedächtnisbildende Macht von Bildern außer Frage steht, ist über ihre soziale Wirkung bislang kaum etwas bekannt. In seiner Studie untersucht Sebastian Schönemann die Formen medialen Erinnerns empirisch: Wie erinnern wir uns an den Holocaust über Bilder und wie prägen sie das soziale Gedächtnis? Anhand vergleichender Fallanalysen werden dabei nicht nur die Wirkungsweisen der Symbolbilder, sondern auch ihr sozialer Sinn aufgezeigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.04.2020
Sebastian Schönemanns Thema, die analytische Auseinandersetzung mit Bildern des Holocaust und ihrer die Rezeption der NS-Verbrechen prägenden Macht, findet Rezensentin Susanne Heim wichtig. Den Wandel der Darstellung des Judenmords über die Jahrzehnte kann der Autor ihr nachvollziehbar vermitteln, Schönemanns Interviews mit Vertretern verschiedener Generationen über ikonografische Aufnahmen aus Auschwitz-Birkenau oder dem Warschauer Ghetto findet Heim aufschlussreich, da der Autor belegen kann, inwieweit die Wirkung der Symbolbilder generationell und gesellschaftlich geprägt ist. Ein Dorn im Auge sind ihr die redundante Darstellungsweise die zu selten gelungenen Synthesen.
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