Orientierung und Ermutigung zum Handeln: Wege zu einer neuen Gedenkkultur. In einem Moment, in dem hitzige Feuilleton-Debatten den Eindruck erwecken, es ginge um einen kurzlebigen Positionsstreit, stellt Charlotte Wiedemann klar: Was wir erleben, ist eine Zeitenwende - wir müssen unsere Haltung zur deutschen Geschichte aus einer kosmopolitischen Perspektive neu begründen. Das heißt: nicht-europäische, nicht-westliche Sichtweisen ebenso einbeziehen wie die Ansprüche einer jungen, diversen Generation in Deutschland. Wie lässt sich in Zukunft an den Holocaust und an die kolonialen Verbrechen erinnern? Globalhistorisch fundiert und persönlich zugleich denkt Charlotte Wiedemann die Idee des Antifaschismus neu und entwirft ein empathisches Gedenkkonzept für unsere Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.06.2022
Klar und lesbar findet Rezensent Micha Brumlik Charlotte Wiedemanns Versuch, den aus der Debatte über koloniale Verbrechen und den Holocaust erwachsenen Feindschaften ein umfassendes Verstehen entgegenzusetzen. Dem Buch traut Brumlik zu, verhärtete Fronten zu lockern, weil Wiedemann nicht nur fragt, welche Opfer uns warum näher sind als andere, sondern auch die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika ins Gedächtnis ruft und die Möglichkeit erwägt, ausgehend von den Gräueltaten an Afrikanern und Juden zu einem weltumspannenden empathischen Gedenken zu gelangen. Packend auch, wie Wiedemann an die Befreiung jüdischer KZ-Häftlinge durch schwarze GIs erinnert, findet Brumlik.
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