Sensibler Künstler und Lehrer, unnachahmlicher Erzähler und Zeitgenosse vieler Zeiten und Genossen: Lange weigerte sich Rudolf Schönwald, seine Erinnerungen zu Papier zu bringen. Jetzt hat der in Hamburg geborene Wiener Erich Hackl erzählt, wie es ihm als "Geltungsjuden" gelang, Krieg und Verfolgung in Wien und Budapest zu überleben, als überzeugter, wenn auch unabhängiger Linker während des Kalten Krieges Fuß zu fassen und sich gemeinsam mit seinen Freunden Alfred Hrdlicka und Georg Eisler als Maler einen Namen zu machen. Sprachlich brillant, gespickt mit Situationskomik und frei von Pathos wird hier ein Zeitalter besichtigt, von einem der Letzten, der behaupten darf, dabei gewesen zu sein.
Rezensent Christoph Haacker liest die Erinnerungen von Rudolf Schönwald, Spross der Familie Pringsheim, als Epochenpanorama. Anekdoten aus der Wiener Theaterwelt der Nachkriegszeit, wo der exilierte Autor als Bühnenbildner arbeitete, vergegenwärtigen Haacker eine ganze Epoche. Doch das Buch ist nicht nur "Schelmenroman", sondern auch Überlebensgeschichte, warnt Haacker. Das Trauma des aus Nazideutschland geflohenen Jugendlichen ist für ihn auf jeder Seite spürbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2022
Rezensent Hannes Hintermeier staunt über die "Leichtigkeit", mit der der österreichische Maler und Grafiker Rudolf Schönwald seine Lebensgeschichte erzählt. Das Buch, basierend auf Interviews, die der Schriftsteller Erich Hackl seit 2005 führte, außerdem auf Interviews mit der Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi und natürlich Material von Schönwald selbst, konzentriert sich vor allem auf die Kriegs- und Nachkriegsjahre, informiert der Kritiker: Er liest vom Selbstmord des Vaters, der Flucht nach Wien, der Deportation der Mutter nach Auschwitz und in andere Konzentrationslager, die sie überlebte, und dem Neubeginn nach dem Krieg. Hintermeier erlebt die Nachkriegsjahre in Wien, Schönwalds Bemühungen um eine Künstlerkarriere oder Begegnungen mit Jean Genet, Georg Lukács, Arthur Koestler oder Klaus Kinski. Dass die letzten vier Lebensjahrzehnte des heute 93-jährig in Wien lebenden Malers nur kurz abgehandelt werden, geht für den Rezensenten in Ordnung.
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