Ernst Strouhal

Vier Schwestern

Fernes Wien, fremde Welt
Cover: Vier Schwestern
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2022
ISBN 9783552073128
Gebunden, 416 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Mit Verbindungen zu Karl Kraus und Elias Canetti: Ernst Strouhal erzählt eine große Wiener Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts.Gerda, Friedl, Ilse und Susanne waren die Töchter von "Benedikt-Sohn" und Enkelinnen von Moriz Benedikt, dem berühmten Herausgeber der mächtigen "Neuen Freien Presse", gegen die Karl Kraus heftig polemisierte. In unmittelbarer Nachbarschaft der Benedikts lebte Elias Canetti, dessen Blicken die Töchter nicht entgingen und von denen er sich in den Salon einladen ließ. Der "Anschluss" machte dem privilegierten Dasein ein Ende, den vier Schwestern aber gelang die Flucht. Verstreut in alle Himmelsrichtungen, blieben sie einander über Emigration, Krieg, Nachkrieg hinweg verbunden. Ernst Strouhal erzählt von einem Stück unwiederbringlicher Kultur und gibt damit seiner eigenen Mutter und seinen drei Tanten eine Stimme.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2022

Rezensentin Daniela Strigl liest die Lebensgeschichte der vier Töchter des berühmten Zeitungsmannes Moritz Benedikt mit viel Interesse. Nicht nur lässt Strouhal hier sehr verschiedene weibliche Persönlichkeiten auferstehen. Auch wird in den zusammengetragenen Briefen sowie Strouhals Erläuterungen dazu anschaulich beschrieben, wie das "nationalsozialistische Verhängnis" eine jüdische Familie beraubte und zerriss. Die vier Frauen reagieren in ihren Briefen unterschiedlich darauf, doch sie alle teilen einen besonderen schwarzen Humor und ihre derbe Ausdrucksweise, freut sich die Kritikerin. Besonders spannend findet es Strigl, von der Beziehung Friedl Benedikts zum Schriftsteller Elias Canetti zu lesen, zu dem diese aufblickt und von dessen Einfluss sie sich nur mit Mühe losmachen kann. Dass Strouhal Sohn einer und Neffe der übrigen drei Schwestern ist, mag einen Teil seines Interesses erklären, mit dem er die Nachlässe seiner Tanten durchsucht, tausende Briefe zusammengetragen, ausgewertet und kuratiert hat. Doch sein Interesse überträgt sich definitiv, so die angetane Rezensentin.

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