Eveline Goodman-Thau, erste Rabbinerin Österreichs in einer Wiener jüdisch-liberalen Gemeinde, erinnert sich: "Wien als Geburtsort lag ganz weit weg - ein geschlossener Garten, unbetretbar, unberührbar. Nicht einmal im Traum erreichbar." Wien war "abwesend, da das Wesentliche, der Mensch, ja fehlte". Dem fehlenden Menschen, den Menschen wieder und neu zu begegnen, ist Hoffnung, die die Rabbinerin mitnimmt auf ihren imaginären wie realen Denk-Gängen durch diese Stadt. Zugleich ist es "Trost der Abwesenheit", der langsam eindringt, "wo man an jeder Ecke ein neues Stück alten Lebens als altes Stück neuen Lebens entdeckt, am Ort, wo Geschichte und Biografie sich kreuzen." Goodman-Thau erschreibt in behutsamen reflexiven Schwüngen eine, wie sie es nennt, "geografische Biografie".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.07.2003
Erst 1981, berichtet Thomas Meyer, kam Eveline Goodman-Thau nach Wien zurück, der Stadt, in der sie geboren und aus der sie mit ihrer Familie 1938 geflohen war. Sie kehrte zurück als Rabbinerin, und sie tat es bewusst, trotz "Ablehnung, Skepsis und Schweigen". Ihre "Betrachtungen", schreibt der Rezensent, sind "streitbare Einlassungen auf die Situation" - die Situation des Exils. Und "zutiefst gläubige" Aufzeichnungen, denn Goodman-Thau schöpfe ihre Erkenntnisse über die Gegenwart aus der "Wahrheit der heiligen Texte". Meyer ist beeindruckt von der Klarheit schaffenden "Kraft des Wortes", die er bei ihr findet. "Ihre Stimme", resümiert er, "hat viel Gewicht, weil sie so viel zu sagen hat".
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