Ron Leshem

Wenn es ein Paradies gibt

Roman
Cover: Wenn es ein Paradies gibt
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783871345883
Gebunden, 352 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Wie kann ein Krieg zu Ende gehen, ohne dass ein Frieden folgt? Es ist das Frühjahr 2000, eine der letzten israelischen Einheiten steht im Südlibanon, in der Festung Beaufort: ein paar Dutzend junge Männer und der erst 22-jährige Offizier Liraz. Die Jungs kommen frisch aus den Tel Aviver In-Lokalen, haben den Kopf voller Sex & Drugs und noch keine Ahnung, dass es ans Sterben geht. "Wenn es ein Paradies gibt, sieht es genau so aus, wenn es eine Hölle gibt, fühlt sie sich genau so an", damit erklärt ihnen Liraz Beaufort: was es heißt, ohne militärische Aufgabe nur noch auf den eigenen Rückzug zu warten, in atemberaubender Landschaft, unter Dauerbeschuss durch die Hizbollah. Wie es sich aber anfühlt, wenn der vermeintlich letzte Soldat eines Krieges stirbt, und es ist ausgerechnet der Typ neben dir, das müssen sie selbst erfahren. Und auch, dass auf den letzten noch ein allerletzter Toter folgen kann. Ron Leshem erzählt eine Geschichte von Helden, die gar keine sein wollen, von Angst, Freundschaft und dem Traum von einem wilden Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2008

Dass die Erfahrung des Krieges "ans Unmenschliche grenzt", mit diesem Wissen geht Thomas Scholz aus der Lektüre von Ron Leshems Roman hervor. Literatur, die unter die Haut geht, meint er. Und spielt auf die unmittelbare Darstellung intensiver Gefühle an, die ihm den Hass zwischen den Fronten "fast vollkommen kreatürlich" erscheinen lässt, nicht religiös oder politisch. Ausschlaggebend für diese Erfahrung ist laut Scholz die große Nähe des Textes zu seinen Protagonisten, den jungen Soldaten in der südlibanesischen Festung Beaufort, durch die "jede politische Aussage subjektiv" bleibe. Für Realismus sorgt laut Scholz auch die "handfeste" sprachliche Gestaltung des Romans.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2008

Als wichtiges Buch ordnet Rezensentin Annabel Wahba Ron Leshems, nun auf Deutsch erschienenen Roman über eine Gruppe von 14 jugendlichen israelischen Soldaten im Südlibanon ein, das unter dem Titel "Beaufort" verfilmt, und Berlinale- wie Literaturpreisgekrönt sei. Doch ist diese tragisch endende Geschichte aus Wahbas Sicht mehr als nur ein "in zynischem Soldatenjargon" von Schweiß, Blut und dreckigen Witzen" erzählender Antikriegsroman. Mit der Geschichte der Festung habe Leshem auch ein Bild des heutigen Israel erschaffen. Außerdem spreche der 1976 geborene Autor für eine neue Generation, deren Leben komplett vom Krieg durchdrungen sei, von dessen Sinnlosigkeit dieses Buch auf bestürzende Weise erzähle.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2008

Mit großem Lob bedenkt Uwe Stolzmann diesen Roman Ron Leshems über eine Einheit von jungen israelischen Soldaten, die auf der Festung Beaufort im Südlibanon mitten im Feindesland stationiert ist. Der Wahnwitz der Nahostkriege und die Erfahrung des israelischen Militärdiensts scheinen ihm hier literarisch beeindruckend umgesetzt. Er findet den Roman absolut mitreißend. Zugleich sind ihm die Beschreibungen des Alltags der jungen Soldaten, die auf verlorenem Posten Dienst schieben, ihre Rituale und euphemistischen Sprachregelungen, ihre Traumatisierungen, ihr Leiden und Sterben sichtlich nahe gegangen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2008

Alex Rühle ist tief beeindruckt von diesem Roman, der im Jahr 2000 kurz vor dem israelischen Rückzug aus dem südlichen Libanon in einer kleinen, aber strategisch bedeutsamen historischen Festung spielt. Der Journalist Ron Leshem hat damit einen Bestsellererfolg und den wichtigsten israelischen Literaturpreis eingeheimst, teilt der Rezensent mit, die Verfilmung wurde auf der Berlinale ausgezeichnet. Der Roman erzählt vom jungen Offizier Liraz, dessen einzige Aufgabe es ist, seine 13 Soldaten heil wieder aus der Festung Beaufort herauszubringen. Eindringlich gelingt es Leshem, die tiefe "Zerrissenheit" seiner Figuren darzustellen, die einerseits mit Überzeugung in den Krieg ziehen, andererseits die Sinnlosigkeit des Krieges empfinden, lobt der Rezensent. Ein Verdienst dieses Romans ist, dass Leshem mit einer großen "Lebenslüge" aufräume, dass nämlich alle gleichermaßen in der israelischen Armee dienen. Tatsache sei, dass vor allem Neuankömmlinge und Männer aus armen Familien zum Kriegsdienst herangezogen werden, und dafür nicht einmal von der Gesellschaft akzeptiert würden, erklärt der Rezensent, der noch mitteilt, dass das erste Kapitel des Romans nicht selten bei der Beerdigung gefallener israelischer Soldaten vorgelesen wird.
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