Aharon Appelfeld

Meine Eltern

Roman
Cover: Meine Eltern
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783737100311
Gebunden, 272 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler.  August 1938: Am Ufer des Flusses Prut in Rumänien versammeln sich die Sommerfrischler, überwiegend säkularisierte Juden, darunter ein Schriftsteller, eine Wahrsagerin, eine früher mit einem Christen liierte Frau, die nun auf Männerschau ist. Auch der zehnjährige Erwin und seine Eltern sind hier, doch das Kind spürt, dass etwas anders ist: Hinter den Sommerfreuden, den Badeausflügen und Liebeleien geht die Welt, die alle kennen, zu Ende. Einige reisen früher ab, andere verdrängen die Nachrichten aus dem Westen. Spannungen bleiben nicht aus, auch nicht zwischen den Eltern, der Mutter, die Romane liest, an Gott glaubt und an das Gute, und dem Vater, dem Ingenieur, der alles rational und pessimistisch sieht. Als die Familie in die Stadt aufbricht, überfällt Erwin die Furcht. In der Schule wurde er geschlagen und als 'Saujude' beschimpft - und er beginnt zu ahnen, dass an den unterschiedlichen Haltungen seiner Eltern noch viel mehr hängt: die Zukunft, das Überleben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2018

In seinem neusten Roman wendet sich Aharon Appelfeld noch einmal der eigenen Vergangenheit zu und schließt seine unglaubliche, über vierzig Bücher umfassende Geschichte ab, in der er, der Deportierte, der Geflohene, der seiner Heimat und Sprache Beraubte sein Leben untersucht und erzählend verarbeitet, erklärt Rezensentin Nicole Henneberg. In diesem letzten Teil des Zyklus geht es um das Jahr 1938, als gerade noch alles in Ordnung schien, das Jahr, in dem Appelfeld beschloss, Schriftsteller zu werden, in dem er und seine Eltern den letzten Urlaub zusammen verbrachten, in dem seine Mutter ermordet wurde, der er hier ein "anrührendes Denkmal" setzt, lesen wir. Es ist wie alle seine Geschichten eine Erzählung, die in ihrer kühlen Sprache, in den knappen, klaren Sätzen, so nahe geht, dass es schmerzt, bekennt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2017

Thorsten Schmitz schätzt den jüngsten Roman von Aharon Appelfeld. Wie der 80-Jährige im Rückblick die Pogrome in seiner Heimat der Bukowina beschreibt, aus der Perspektive des 10-Jährigen, hat ihn schwer beeindruckt. Zart in den Andeutungen, staunend im Blick auf die Eltern und mit laut Rezensent luzider Klarheit und berührender Liebe fasst der Autor den letzten Sommer vor dem Krieg. Ein Zauber geht von der schlichten und zugleich reichen Sprache aus, dem sich Schmitz nicht entziehen kann.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.12.2017

Jürgen Verdofsky nennt es "unverjährbares" Erzählen, was Aharon Appelfeld in seinem Roman unternimmt. Als würde die Luft am Ufer der Pruth in der Ukraine noch immer von all den Stimmen zittern, die der Autor einfängt. Wie eine Ahnung des bevorstehenden Leids erfährt er beim Lesen die kleinen Pogrome an der jüdischen Bevölkerung, die der Autor anhand der Erinnerung an einen Sommer schildert. Klassische Charaktere wie der aufopfernde Arzt, der verkannte Invalide und der Vater als gutwillig Scheiternder bevölkern den Text, so Verdofsky. Man dürfe gar nicht daran denken, was mit dem Krieg auf sie alle zukommt, meint er.

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