Aharon Appelfeld

Elternland

Roman
Cover: Elternland
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783871345517
Gebunden, 263 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhäuer. Israel, in unseren Tagen: Jakob Feins geregeltes Leben nimmt eine Wendung, als er beschließt, nach Polen zu reisen - in das Land, aus dem seine Eltern stammen, an den Ort, wo sie den Holocaust überlebten. Bis zu ihrem Tod hatte sich Jakob, Familienvater und viel beschäftigter Inhaber eines Modeladens, nicht für ihre Geschichte interessiert. Als er das abgelegene Dorf erreicht und die satte, grüne, seltsam vertraute Landschaft durchstreift, fühlt er sich den Eltern zum ersten Mal nah. Und er lernt Magda kennen, eine katholische Bäuerin, die ihn mit ihren Erzählungen nach und nach in die Vergangenheit zurückführt. Unerwartet und heftig verlieben sie sich ineinander. Doch je länger Jakob im Dorf bleibt, desto offener zeigen die Bauern ihre Vorbehalte gegen ihn als Juden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.06.2007

Beeindruckt hat Rezensentin Marie-Luise Knott Aharon Appelfelds Roman gelesen, der darin einen Blick zurück aus seiner israelischen Gegenwart in die polnische Heimat seiner Eltern wirft. Entstanden ist ihrem Eindruck zufolge eine "Parabel vom ewigen Antisemitismus" , ein Entwicklungsroman über Einen, der auszieht, um in der Fremde sich selbst zu finden. Besonders die Lakonie des Helden Jakob Fein hat es ihr angetan, der der Vergangenheit und der immer noch bedrohlichen Gegenwart in der Heimat seiner Eltern mit einer zwischen Schwermut und biblischer Allmachtsfantasie oszillierenden Haltung begegnet, und trotzdem voller Sinn für das Wirkliche steckt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2007

Für Rezensentin Maria Frise liest sich Aharon Appelfelds Roman "Elternland" nicht nur wie die Fortführung seiner autobiografischen "Geschichte eines Lebens", sondern er erscheint ihr auch als ein Versuch Appelfelds, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. In "Elternland" erzählt Appelfeld von einem erfolgreichen israelischen Geschäftsmann, der in das polnisch-ukrainische Dorf seiner Vorfahren reist. Fast alle Juden dort waren ermordet worden, referiert die Rezensentin, nur wenige konnten fliehen. Hier stößt er auf die alten Hassgefühle, Vorurteile, Neid, Stolz. Doch er trifft auch Menschen, die seine Großeltern noch gekannt haben, und er verliebt sich in die Magda, erklärt die Rezensentin. Wenn ihr die Liebesbeziehung auch ein wenig zu "romanhaft" scheint, zeigt sie sich insgesamt sehr eingenommen und lobt auch die Übersetzung aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer als vorzüglich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.06.2007

Als einen der "schönsten" und "tröstlichsten" unter den Romanen Aharon Appelfelds, beurteilt Nicole Henneberg den Roman "Elternland". Der Roman erzählt die Geschichte eines in Israel aufgewachsenen Mannes, Jacob, der sich auf eine Reise nach Polen begibt, um dort auf den Spuren seiner Vorfahren zu wandeln, die einst von den Nationalsozialisten vertrieben wurden, wie die Rezensentin wiedergibt. Nicole Henneberg zieht in ihrer Rezension Parallelen zur Biografie des israelischen Autors. Dies lässt die erzählte Geschichte des Romans nur teilweise hervortreten. Im Mittelpunkt steht jedoch die sich entwickelnde Liebe der Hauptfigur zu einer Bäuerin im Dorf, die in ihrer Unmöglichkeit parabelhaft für den Verlust der Heimat gelesen werden kann, wie die Rezensentin interpretiert. Die Stärke des Romans liegt dabei nach Ansicht der Rezensentin im Aufwerfen von "Schmerzfragen" wie der, nach dem Sinn des jüdischen Leidens, die sich in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Hauptfigur wie der des Autors ergeben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2007

Zum wiederholten Mal, preist der Rezensent Andreas Breitenstein, legt der israelische Autor hier ein "Meisterwerk" vor. Mit seinem neuen Roman bewegt sich Appelfeld von Israel nach Polen und wieder zurück und vermag es so, lesen wir, die traumatische jüdische Vergangenheit als etwas zu schildern, das niemals vergeht. Demonstriert werde das an der Haupfigur Jakob, einem erfolgreichen Familienvater und Geschäftsmann, der zunächst wenig Interesse an der Geschichte seiner ermordeten Großeltern und seiner mit Mühe und Not den Nazis entronnenen Eltern zeigt. Nach dem Tod seines Vaters begibt er sich dann aber doch in die alte Heimat nach Polen - und muss erleben, wie lebendig der Antisemitismus dort noch ist. Appelfeld geht es dabei nicht um die reale Gegenwart, sondern um ein "parabelhaftes" Polen, erklärt Breitenstein. Sehr real aber sind für ihn die Seelenzustände des Helden, der erst Trost und Erlösung zu finden scheint - davon jedoch bleibt nicht ein Quäntchen am Ende übrig, staunt der Rezensent. Für das Können des Autors hat er nichts als Bewunderung, für die "betörende Poesie" der Landschaftsbeschreibungen, vor allem aber für die Komplexität des entworfenen Porträts einer Gegenwart, die sich vom Vergangenen nicht lösen könne.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2007

Großen Eindruck hat dieser Roman auf Rezensentin Bernadette Conrad gemacht. Ihren Informationen zufolge handelt es sich um den ersten, von Aharon Appelfelds ins Deutsche übertragenen Romanen, der auch in Israel spielt. Von dort nämlich bricht ein Mann aus Tel Aviv, der bislang verständnislos auf seine, der Shoa entkommenen Eltern blickte, in deren alte Heimat nach Osteuropa auf. Im Städtchen Schidowze waren Conrad zufolge einst alle jüdischen Bewohner in der Synagoge zusammengetrieben und verbrannt worden, und nur die Eltern des Protagonisten überlebten. Mit großer Bewegung erzählt die Rezensentin in ihrem Text, der gleichzeitig von einer Begegnung mit dem Autor berichtet, wie der Tel Aviver Jakob in Polen eine alte Frau trifft, die einst seine Eltern kannte und ihm in ihren Erzählungen nun dieses "Elternland" zurückzugeben versteht. Gleichzeitig überzeugt Appelfeld die Rezensentin mit seinen diskreten Analogien zwischen Vergangenheit und israelischer Gegenwart.