Die Fronten zwischen Befürwortern der These, dass monotheistische Religionen notwendig gewaltbereit seien, und deren Gegnern schienen bis vor kurzem so verhärtet zu sein, dass mit Neuigkeiten aus dieser religionstheoretischen Kampfzone nicht gerechnet werden konnte. Doch nun ist Bewegung in die Debatte gekommen. So erscheint es dem Monotheismuskritiker Peter Sloterdijk nicht mehr sinnvoll, "das Gewaltproblem weiterhin vorrangig an einem religionstheoretischen Konstrukt namens 'Monotheismus' festzumachen". Kritiker der Monotheismuskritiker konzedieren, dass das Sinai-Narrativ nicht nur für das Judentum, sondern auch für die religiöse und die politische Kultur der westlichen Welt prägend geblieben ist. Das revolutionäre Potential des biblischen Gottes kann schwerlich geleugnet werden. Es gehört zu den bemerkenswerten Stärken der hier dokumentierten Monotheismusdebatte, dass die Autorinnen und Autoren über Fächer- und Konfessionsgrenzen hinweg aufeinander hörten und gerade dadurch ihre Position profilieren konnten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2014
In diesem Band zeichnet der Theologe Rolf Schieder die von Jan Assmanns 1997 erschienenem Buch "Moses der Ägypter" ausgehende interdisziplinär im Perlentaucher geführte Monotheismus-Debatte nach. Das Verhältnis Gewalt und Religion wird laut Rezensent Wolfgang Palaver, selbst katholischer Theologe, im Band auf vielfältige Weise erörtert. Dass der Monotheismus keineswegs gewalttätig sei, liest Palaver etwa in der Entgegnung Assmanns, aber auch bei Markus Witte, der die Dialogizität des Alten Testaments nachweist, oder in den kritischen Anfragen aus jüdischer Perspektive bei Marcia Pally und Micha Brumlik. Lesenswert scheint dem Rezensenten auch ein Beitrag der Religionshistorikerin Dorothea Weltecke, die ihm zu zeigen vermag, wie sich in Judentum, Christentum und Islam Interpretationsschulen herausbildeten, sowie Überlegungen des Islamwissenschaftlers Reinhard Schulze, der "religiöse Gewalt" im Sinne Assmanns vor allem als ein Phänomen der Moderne erkennt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.06.2014
Den vom Berliner Theologen Rolf Schieder herausgegebenen, die im Perlentaucher geführte Monotheismus-Debatte wiedergebenden Band empfiehlt Dirk Pilz wärmstens. Für ihn taugt das Buch zum besseren Verständnis der Moderne als eines gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Differenzierungsprozesses. Ferner zum Begreifen der Bedeutung richtiger Kontextualisierung im Zusammenhang mit den Heiligen Schriften. Und zuguterletzt zu der Erkenntnis, dass der Kulturwissenschaftler Jan Assmann, der mit seinem Buch "Die Mosaische Unterscheidung" die hier dokumentierte, um Aufsätze von Micha Brumlik, Marcia Pally u. a. erweiterte Debatte um Monotheismus und Gewalt angestoßen hat, ein souveräner Denker ist, da er die Kritik an seiner These ernst nimmt und seine Position präzisiert. Alles im Band gebündelt nachzulesen, meint Pilz zufrieden.
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