Jan Assmann

Exodus

Die Revolution der Alten Welt
Cover: Exodus
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406674303
Gebunden, 493 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Jan Assmann verfolgt die Spuren der Exodus-Erzählung zurück bis ins Alte Ägypten und nach vorne bis ins 20. Jahrhundert. Er entfaltet eine neue Theorie des Monotheismus und zeigt, warum die Geschichte vom Auszug aus Ägypten auch die Gründungserzählung der modernen Welt ist. Das Buch Exodus enthält Schlüsselszenen der Heilsgeschichte, die in Judentum, Christentum und Islam, aber auch in Kunst und Literatur eine vielfältige Wirkung entfaltet haben. Wann sind diese Geschichten entstanden? Welche ägyptischen und altorientalischen Parallelen oder gar Wurzeln haben sie, und was an ihnen ist radikal anders und neu? Wer hat diese Erzählungen schließlich zu dem Buch Exodus, dem Gründungsdokument einer neuen Religion, verbunden? Jan Assmann geht diesen Fragen auf dem neuesten archäologischen und bibelwissenschaftlichen Forschungsstand nach. Er präzisiert seine viel diskutierte Monotheismus-Theorie und erklärt die revolutionären, weltgeschichtlichen Folgen des Auszugs aus Ägypten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.07.2015

Micha Brumlik bespricht Jan Assmanns Buch "Exodus" vor dem Hintergrund seiner ideengeschichtlichen Herkunft: im Grunde knüpfe Assmann an die Geschichte Nietzsches aus der "Genealogie der Moral" an, wonach aus dem Sklavenaufstand und anschließenden Auszug der Israeliten aus Ägypten eine ressentimentgeladene, vor allem negative, verneinende Moral entstanden sei, erklärt der Rezensent. Hatte Assmann diese Verneinung früher noch an der scheinbar neu eingeführten "mosaischen Unterscheidung" zwischen wahrem und falschem Glauben demonstriert, die er - fälschlicherweise, wie er nun zugebe - als Alleinstellungsmerkmal des Monotheismus beschrieben hatte, setzt er den Fokus jetzt auf den Bundesgedanken, auf den "Monotheismus der Treue", der diesmal wirklich einzigartig in seiner Form sei, fasst Brumlik zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.06.2015

Friedrich Wilhelm Graf, emeritierter Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München, lobt Jan Assmann dafür, wie aufgeschlossen er für Kritik an seiner These von der mosaischen Unterscheidung offenbar geblieben ist, denn in seinem Buch "Exodus" habe sich Assmann von der Grundunterscheidung zwischen wahr und falsch entfernt, die er in früheren Werken als den radikalen Umbruch zwischen Poly- und Monotheismus beschrieben und für die "Tendenz zum 'heiligen Krieg'" verantwortlich gemacht hatte, fasst der Rezensent zusammen. Die neue These gründet sich stärker auf den Bundesgedanken, auf den "Monotheismus der Treue", wie Assmann ihn nennt, so Graf. Dadurch fällt der Verdacht auf monotheistisch motivierte Gewaltbereitschaft allerdings nicht weg, weiß der Rezensent, Assmann verlagere ihre Begründung lediglich in das komplexere Verhältnis von Treue und Untreue. Nur dass Assmann sie immer noch als spezifisch monotheistisches Phänomen begreifen will, kritisiert Graf: auch in polytheistischen Religionen finde sich schließlich religiös motivierte Gewalt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.03.2015

Enorme religionsgeschichtliche Bildung attestiert Christoph Markschies dem Autor Jan Assmann. Dessen neues Buch scheint ihm das Zeug zu Differenzierungen zu haben, die die Menschheit in Zeiten religiös motivierter Revolutionen nötig hat. Wenn Assmann also anhebt, seine eigene Sicht auf Moses und den Monotheismus zu revidieren und einen gelehrten Bibelkommentar zum Buch Exodus samt rezeptions- und transformationsgeschichtlicher Einordnung der biblischen Texte bis in die Gegenwart vorlegt, horcht der Rezensent auf. Das Buch des Ägyptologen Assmann liest er nicht zuletzt als Bibelerklärung eines evangelischen Christenmenschen, der mit seinem eigenen Glauben ringt. Die teilweise Vernachlässigung allmählicher Entwicklung der Tradition und gradueller Unterschiede zwischen den religiösen Traditionen durch den Autor sieht Markschies gleichwohl kritisch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.03.2015

Dirk Pilz ist sich sicher, dass Jan Assmanns Buch "Exodus" auch in fünfzig Jahren noch gelesen und kontrovers diskutiert werden wird, nicht zuletzt, weil darin jene Mythen verhandelt werden, die auch unsere 'europäische' Identität durchziehen, deren "lebensgründende und lebenserschließende Kraft", wie es bei Assmann heiße, unser kulturelles Selbstverständnis bestimmt, erklärt der Rezensent. Assmann beschreibt die Geschichte des Auszugs aus Ägypten, des Bundesschlusses auf dem Berg Sinai, des goldenen Kalbes und der zehn Gebote, und das Treue-Verhältnis, das mit dem Monotheismus einhergehe, dass in der Möglichkeit der Untreue zwar immerhin die Existenz anderer Religionen anerkenne, aber auch die Unterscheidung zwischen Eigenem und Fremdem, Freund und Feind einführe, fasst Pilz höchst angeregt zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015

Recht spitz beglückwünscht Rezensent Johann Hinrich Claussen den Ägyptologen Jan Assmann zum Erfolg seiner "Mosaischen Unterscheidung", die hoffentlich nicht zu "Niveauverlusten" führen werde. Das neue Buch "Exodus" findet dann aber in Claussen einen ehrlich begeisterten und beeindruckten Leser. Worum gehts? Für Assmann ist der entscheidende Moment nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten das Treue-Bündnis zwischen Gott und Menschen. Dieses Treue-Bündnis ist die Grundlage für Empathie und Gerechtigkeit und für eine "Vertrauensreligion", auf die sich immer wieder neue "Ausgezogene" berufen können. Dabei versuche Assmann hier nicht mehr zu zeigen, was man nicht wissen könne, so Claussen. Statt dessen schreibe er eine "Geschichte der Erinnerungen an das, was man historisch nicht mehr wissen kann". Äußerst fruchtbar und inspirierend findet der Rezensent diese Herangehensweise. Alles in allem: eine "Lesefreude".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2015

Bernhard Lang hat Jan Assmanns umfangreichen Kommentar zum Buch Exodus mit Gewinn gelesen. Dass der Autor den Text als eine Art historischen Roman auffasst, in dem vermittels historischer Geschehnisse Gegenwart gemeint wird, erfahren wir, und auch, was die Pointe des Exodus-Buches ist. Am interessantesten ist vielleicht Langs Hinweis auf Assmanns Verständnis des im Exodus-Buch niedergelegten Verhältnisses zwischen Gott und Volk als Liebesbeziehung. Von hier aus, so scheint es, entwickelt der Autor nämlich sein Konzept des affektiven Monotheismus. "Fulminant" findet der Rezensent Assmanns Buch, da er dem Leser auf die Art die weltgeschichtliche Bedeutung eines klassischen Werks erschließt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2015

Fragen über Fragen generiert die Lektüre von Jan Assmanns neuem Buch beim Rezensenten. So soll es sein für Hannes Stein, der die Überlegungen des Autors über die historische Wahrheit an der Geschichte vom Auszug der Hebräer aus Ägypten und die Wirkmächtigkeit ihrer Erzählung höchst angeregt referiert. Nur die These der mosaischen Unterscheidung zwischen Gott und Gottesverrat, wie sie Assmann in seinem Buch problematisiert, löst beim Referenten Zweifel aus: Wenn durch diese Unterscheidung wirklich der Fanatismus in die Welt kam, wie der Autor behauptet, wieso morden dann in Indien die Hindus Andersgläubige oder in Burma Buddhisten die Muslime? Stein sieht darin eher einen "wahnsinnig gewordenen Messianismus".