Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Wie können Menschen, die sich sozial, ethnisch oder in ihrer Weltanschauung unterscheiden, zusammenleben und -arbeiten? In unserer von Konkurrenz und Gegensätzen geprägten Gesellschaft ist dies für Richard Sennett die Schlüsselfrage. Er erläutert, was das Wesen von Zusammenarbeit ausmacht, warum sie so an Bedeutung verloren hat und wie sie wieder als Wert wahrgenommen werden kann. Ob er über mittelalterliche Gilden schreibt, über die Geschichte der Diplomatie oder über seine Interviews mit entlassenen Wall-Street-Angestellten nach dem Lehman-Crash - Sennetts Herangehensweise ist wie stets interdisziplinär und pragmatisch. Eine Analyse unserer modernen Arbeits- und Lebenswelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2013

Etwas mehr Selbstdistanz, bitte, ruft der Rezensent gegen das allzu monotone Klagen des Autors über das Verschwinden des Handwerks, respektive des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Wenn schon, denn schon, scheint Hans Bernhard Schmid zu sagen und fordert Richard Sennett auf, doch gleich mal bei sich selbst anzufangen mit kooperativer Haltungskorrektur. Ansonsten findet er Sennetts von einem Besuch in einer Cello-Werkstatt ausgehende Analyse gelingender Zusammenarbeit als Kleister unserer gesamten Gesellschaft eigentlich recht nett. Die sich anschließende Kritik an sozialer Ungleichheit, Wandel der Arbeitswelt und Rückzug ins Private und Vereinzelte kommt klassisch links daher, findet Schmid. Nur findet er Sennetts Ausgangspunkt für derlei Kritik, den heutigen Finanzkapitalismus nämlich, doch etwas zu begrenzt. Und apropos Handwerk: Das Buch hat Längen, meint Schmid, und nimmt Milieus und Vorgänge allzu schnell als exemplarisch wahr.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.12.2012

Guter Witz, dieses Buch zum Thema Zusammenarbeit, meint Johan Schloemann, dabei hält er den Stoff für interessant. Zuerst, findet er, hätte der hochberühmte Autor allerdings besser seine Gedanken und die Kapitel des Buches zur Zusammenarbeit bewegen sollen. Da geht Schloemann einfach zu viel durcheinander. Die vielen Interviews, die Richard Sennett geführt hat, um herauszufinden, wo es eigentlich hapert im kleinen Angestelltenleben, hach, die vielen bunten Beipiele! Und leider, leider, denkt Schloemann lassen sich diese Dinge denkbar schlecht mit dem Leben im Kibbuz, mit Facebook, mit Holbein-Gemälden und einer Kritik an David Cameron verbinden, oder doch nicht so wie hier. Dem Autor unterstellt der Rezensent zwar wie immer beste Absichten. Das macht es ja so bedauerlich, diese herzliche Wirrnis, der verwirrte Wissenschaftler am Werk. Und kein berufener Lektor weit und breit.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Klare Warnung vom Rezensenten Christian Geyer: Finger weg von diesem Buch, der Autor hält sich für Montaigne. Leider ist er "nur" Richard Sennett, und der vermag es laut Geyer überhaupt nicht, sein Thema (Zusammenarbeit) in den Griff zu kriegen. Stattdessen wandert er fröhlich assoziierend von einer Abschweifung zur nächsten, der Leser mit ihm. Lange hält Geyer das nicht aus, bald wird er regelrecht aggressiv, weil Sennett Autobiografisches mit Zen mit Bildbetrachtung mit phänomenologischen Betrachtungen zur Depression mischt. Begrifflich liederlich leider auch noch und ohne Bezüge zur Forschung, die es zum Thema Kooperation ja immerhin reichlich gibt, wie Geyer mit einem letzten Aufmerksamkeitsschub feststellt. Dann legt er den Band erschöpft beiseite.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Mit großem Interesse hat Rezensentin Susanne Mayer Richard Sennetts neues Buch "Zusammenarbeit" gelesen. Der Wissenschaftler suche hier nach Kriterien, die in auf Konflikte angelegten Gesellschaften Zusammenhalt ermöglichen, informiert die Kritikerin. Und so folgt sie dem "wortgewaltigen" Intellektuellen an Orte mit hohem Konfliktpotential, erfährt, wie hart der Konkurrenzkampf etwa im IBM-Management ist und lernt, dass Respekt, Vertrauen und Anerkennung von Autoritäten das Miteinander erleichtern können. Mit Bewunderung liest die Rezensentin auch, wie es Sennett gelingt, Zusammenhänge innerhalb seiner reichhaltigen Wissenschaftsgeschichte herzustellen: Sein Wissen über das Ghetto von Venedig verbinde er beispielsweise mit Visionen des Architekten David Chipperfield und den Schulbesuchen seines Enkels. Neben bemerkenswerten Einsichten in verschiedene Gruppen, Ethnien und Religionen liest die Kritikerin hier zahlreiche gewagte Thesen, über die sie mit dem Autor nur zu gerne diskutieren würde.