Jürgen Kocka bietet mit diesem Band eine Einführung in die historische Entstehung und Ausdehnung des Kapitalismus seit der frühen Neuzeit sowie seine globale Ausbreitung seit dem 19. und 20. Jahrhundert. Er betrachtet aber nicht nur die Prozesse von Handel und Industrialisierung, sondern zugleich die nachhaltigen Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelten. So ist seine Einführung ein historischer Überblick und zugleich eine kritische Bestandaufnahme jenes ökonomischen Regimes, das heute bis in den letzten Winkel des Planeten unser Handeln mitbestimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2014
Freundlich bespricht Dietmar Süß dieses Buch des Berliner Historikers Jürgen Kocka, der die Geschichte des Kapitalismus "wohltuend nüchtern", aber doch pointiert erzähle. Gut gefällt dem Rezensenten, dass Kocka den Begriff des Kapitalismus von allem ideologischen Ballast entschlackt und in ihm nurmehr das sich wandelnde Verhältnis von Markt, Staat und Kapital betrachtet. Auch wenn Kocka der Arbeiterbewegung mit Sympathie begegnet, ihre Errungenschaften anerkennt und den Wert der Kapitalismuskritik hochhalte, warnt er doch davor, wie Süß zusammenfasst, die "zivilisierende Kraft" des Kapitalismus zu unterschätzen, der wie kein anderes System Wohlstand erzeuge und Freiheit ermögliche, wenn man es richtig angeht. Süß ist's zufrieden.
Jürgen Kocka hat den Pudding an die Wand genagelt, verkündet Lisa Herzog: Auf gerade einmal hundertvierzig Seiten gelingt ihm eine "Geschichte des Kapitalismus", wie es der Titel verspricht. Dafür bedient sich Kocka ein wenig bei Marx, Weber und Schumpeter, schneidet den historischen Kontext an, urteilt differenziert und lässt sich nicht zu unnötigen Prognosen verleiten, erklärt die Rezensentin, die nach der Lektüre ein wenig Hoffnung fasst, dass der Kapitalismus noch wandelbar ist. Das war er schließlich schon immer, hat sie von Kocka gelernt.
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