Peter Michalzik zeichnet in "1900" ein Panorama vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts.
Ob die faszinierenden Richthofen-Schwestern oder der halluzinierende Friedrich Nietzsche, ob der einsiedlerische Hermann Hesse oder der schlaflose Max Weber - sie alle dachten das Leben neu und kreierten eine Gegenkultur, die bis heute wirksam ist. Reformpädagogik und Körperkult, Psychologie und freie Liebe, Pazifismus, Wellness und Vegetarismus - all dies entdeckten zivilisationskritische Künstler, Intellektuelle und Visionäre vor über hundert Jahren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2018
Thomas Ribi liest vergnügt Peter Michalziks Kompendium zur Suche von Künstlern und Visionären nach dem guten Leben. So erfährt er etwa, dass Nietzsche fixiert auf seinen Fleischkonsum war, eine vegetarische Ernährung sogar für gefährlich hielt, während Tolstoi sich weigerte, seiner Schwester totes Tier zu servieren. Soll sie das Huhn doch selber schlachten! Wie Ribi in seiner kurzen Kritik bemerkt, erzähle Michalzik anekdotisch, lebendig und faszinierend, auch wenn der Kritiker vor der Fülle der Personen nicht immer die Übersicht behielt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2018
Wie ein "Adressbuch der Intellektuellen" des beginnenden 20. Jahrhunderts erscheint Rezensentin Hannelore Schlaffer Peter Michalziks üppige Studie über die Lebensreformbewegung auf dem Monté Verita - und das bedeutet für die Kritikerin nichts Gutes. Von den Vorläufern der Bewegung, etwa Nietzsche, bis zu deren Ende in den Zwanzigern erzählt ihr der Frankfurter Journalist in unzähligen, typografisch voneinander abgesetzten Miniaturen aus dem Leben jedes noch so unwichtigen Teilnehmers - jedoch ohne jene klar zu umreißen oder dem Leser näher vertraut zu machen, fügt die Rezensentin hinzu. Statt allzu großer Einfühlung in die Figuren hätte sich Schlaffer mehr historische Distanz und Fakten gewünscht.
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