Pablo de Santis

Voltaires Kalligraph

Roman
Cover: Voltaires Kalligraph
Unionsverlag, Zürich 2004
ISBN 9783293003286
Gebunden, 185 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Claudia Wuttke. Staunend folgen wir dem Kalligraphen Dalessius durch die Wunder des 18. Jahrhunderts: Automaten, erfinderische Henker, sonderliche Bordelle, frühe Computer, Hinrichtungsmaschinen, Teiche voller giftiger Fische, düstere Schlösser und die Linienkutschen für Leichen sind alle in den Kampf der Aufklärung gegen die finsteren Mächte des untergehenden Ancien Regime verstrickt. Voltaire und Dalessius decken einen ungeheuren Coup des Klerus auf, aber können sie ihn auch verhindern?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.06.2004

Der Rezensent Kolja Mensing ist richtig begeistert von diesem Roman des argentinischen Schriftstellers Pablo de Santis über einen französischen Justizskandal und eine damit verbundenen Intrige der katholischen Kirche im 18. Jahrhundert. Seiner Meinung nach handelt es sich um einen "dunklen und schönen Roman", in dessen Zentrum aber "kein ketzerischer, eher ein beunruhigender Gedanke" steht: nämlich, dass "auch in einer enzyklopädisch erfassten Welt nichts zueinander passt". Pablo de Santis sucht nach Lücken der Überlieferung, in der sich "finstere Geschichten und verborgene Wahrheiten" verbergen und was dabei herauskommt, ist nach Mensings Meinung eine lohnenswerte Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.04.2004

"Kaum jemand ist bisher mit so viel Spiellust und Ideenkombinatorik dem Mordinstrument Sprache auf den immateriellen Leib gegangen wie der Argentinier Pablo des Santis", feiert Tobias Gohlis den dritten Roman "Voltaires Kalligraph", der offensichtlich vom Schönschreiber des Philosophen handelt. Doch dies sei schon die erste irreführende Fährte, erklärt unser Rezensent. Der Kalligraph Dalessius, der "'Voltaires unidentifizierbares Gekritzel'" für die Drucker in eine lesbare Reinschrift bringt, verflüchtigt sich "hinter seinen Federn, Papieren und Tinten beinah vollständig in seine Funktion" und mischt sich schreibend in den "epochalen Kampf zwischen Voltaire und den Mächten der Finsternis" ein. De Santis kombiniert dabei "die vertrauten Effekte des Gruselromans - düstere Schlösser, Geheimtinten, dubiose Erblinien, Verschwörer unter Kutten - mit dem Lieblingsthema der Romantik, dem Automaten", verrät unser begeisterter Rezensent und resümiert: "Philosophie, Fantastik, Wortspielerei - bei de Santis ist der Kriminalroman pures Vergnügen auf höchstem Niveau".