Pablo Alabarces

Für Messi sterben?

Der Fußball und die Erfindung der argentinischen Nation
Cover: Für Messi sterben?
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518126080
Kartoniert, 287 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Bettina Engels. Nationen, so Benedict Anderson in Imagined Communities, sind nichts Natürliches, sie müssen imaginiert und konstruiert werden. Was für die Deutschen oder Italiener gilt, gilt erst recht für Einwanderungsländer wie die Vereinigten Staaten oder Argentinien. Eine entscheidende Rolle bei der Erfindung der argentinischen Nation, so Pablo Alabarces, hat dabei im Land Diego Armando Maradonas der Fußball gespielt. Alabarces Zeitreise durch die (Fußball-)Geschichte Argentiniens beginnt am Anfang des 20. Jahrhunderts, als "argentinische" Mannschaften versuchten, sich vom Spielstil englischer Schulen zu emanzipieren (seither sind die Engländer, nicht die Brasilianer, die Erzrivalen der Albiceleste); er berichtet über die Goldenen Jahre des argentinischen Vereinsfußballs, als die Estudiantes de la Plata gegen Manchester United den Weltpokal gewannen; analysiert die von der Diktatur instrumentalisierte WM 1978 und die Ära des "Maradonismo". Sein Bericht endet in der globalen Fußballkultur der Gegenwart, in der die Argentinier in Lionel Messi paradoxerweise einen jungen Mann als Nationalhelden verehren, der mit 14 sein Land verlassen mußte, weil sein Verein ihm eine dringend benötigte medizinische Behandlung nicht finanzieren konnte

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2010

Können Messi und Maradona siegen? Eine Prognose wagt Jochen Hieber nicht. Das Buch des argentinischen Soziologen und Philosophen Pablo Alabarces aber verkürzt ihm höchst unterhaltsam und intelligent die Zeit bis zum Moment der Wahrheit in Südafrika. Zumal für eine sozialwissenschaftliche Studie, die den argentinischen Fußball und natürlich immer wieder die Ära Maradona und den Erzkrieg gegen die Engländer mit der argentinischen Militärdiktatur kurzschließt, findet Hieber das Buch vergnüglich und brillant durch die Fülle an Spiegelungen zwischen Fußball und Politik und Sozialem. Wenn der Autor dabei uneitel vorgeht und nicht alles, was er in den Blick nimmt, einfach zu "Bedingungsfaktoren" für den Fußball reduziert, sieht Hieber das umso lieber.

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