Aus dem Englischen von Vanadis Buhr. An einem Mittsommertag im Jahr 1937 küsste Boris Bibikow seine beiden Töchter zum Abschied und verschwand für immer. Eine der beiden, Mila, verliebte sich viele Jahre später, mitten im Moskau des Kalten Krieges, in einen jungen Engländer und beginnt mit ihm eine gefährliche, leidenschaftliche Affäre. Jahrzehnte später trägt ihr Sohn Owen Matthews die Puzzleteile dieser dramatischen Geschichte zusammen: Er möchte wissen, wie sein Großvater den grausamen Säuberungen Stalins zum Opfer fiel. Wie seine Mutter ihre Kindheit in Waisenhäusern überlebte. Und wie Willkür, bittere Armut und ideologischer Fanatismus jahrzehntelang einen ganzen Kontinent beherrschen konnten. Und schließlich: wie die leidenschaftliche, ungewöhnliche Liebesgeschichte seiner Eltern mitten im Moskau des Kalten Krieges ihr glückliches Ende fand.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.05.2014
Regelrecht berauscht ist Cathrin Kahlweit von diesem Buch des britischen Journalisten Owen Matthews. Als überwältigend schön und überwältigend voll mit Geschichten über die Liebe und die Politik und darüber, wie eine Nation sich nicht nur in das Herz, sondern auch in die Seele eines Menschen und einer Familie einprägen kann, "wie ein medizinischer Eingriff in Kopf und Herz", beschreibt Kahlweit die Lektüre. Das Buch ist ihr Reportage, Liebesgeschichte und Geschichtsbuch in einem. Wenn der Autor aus dem Leben in zwei Welten, der englischen und der russischen, berichtet und das Drama seiner durch den Stalinismus getrennten Familie anhand von erhaltenen Briefen und KGB-Akten erzählt, empfindet das Kahlweit nicht als Denkmal für eine Familie, sondern als lebendige Geschichte, die auch für Leser spannend ist, die sich für sowjetische Geschichte nicht interessieren.
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