Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. "Ein Lehrstück über den Sieg von Individuen über das große Böse." Ljudmila Ulitzkaja. 1937 werden die kleine Stella Nudolskaja und ihre Mutter von Moskau in ein Arbeitslager in Kirgisien geschickt. Den Vater, einen Ingenieur, hatte man von einem Tag auf den anderen verhaftet und als Volksfeind verurteilt. Ein Kampf ums nackte Überleben beginnt, den Stella schonungslos und berührend aus ihrer Perspektive beschreibt. Doch selbst in schlimmsten Zeiten gibt es immer wieder Menschen, die den beiden helfen: Mutter und Tochter finden Obdach bei einer russischen Bauernfamilie, dann in einem kirgisischen Sowchos. Erst zehn Jahre später dürfen sie in eine Kleinstadt im Moskauer Gebiet umsiedeln. Die Journalistin Olga Gromowa hat die ungewöhnliche Lagergeschichte für die Nachwelt festgehalten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.11.2021
Interessant ist wohl das Adjektiv, mit dem der Leseeindruck des Rezensenten Jörg Plath zu fassen ist. Interessant wegen der unglaublichen Lebensgeschichte Stella Nudolskajas, die als kleines Kind mit ihrer Mutter nach Kirgisien verbannt wurde, während der Vater im Todeslager von Kolyma starb. Auf ihren Erzählungen aus dieser Zeit beruht Olga Gromowas Buch. Einige Figuren hat sie aber dazu erfunden, so der Kritiker, sogar einen Bösewicht. Für Plath liest sich das Buch wie ein "realistisches Märchen aus stalinistischen Zeiten", manchmal hätte er sich von Gromowa aber mehr Nüchternheit gewünscht.
Rezensentin Claudia Kramatschek bleibt nach der Lektüre von Olga Gromowas "Zuckerkind" zwiegespalten zurück. Ja, es ist eine tragische, eine anrührende und zugleich erbauende Geschichte, die hier erzählt wird - von einem jungen Mädchen, dessen Vater im Stalin-Regime ermordet wird, das mit seiner Mutter ins Arbeitslager verbannt wird, dort verschiedenste Formen der Entbehrung erlebt und trotzdem, genau wie seine Mutter nie den Mut, die Zuversicht und den Glauben an das "Gute" verliert. Gerade diese absolut untadelige Moral, die unendliche Tapferkeit der jungen Protagonistin aber befremden Kramatschek. Der "gehobene Zeigefinger" ist hier leider nicht zu übersehen, seufzt die Rezensentin.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…