Die mehr als 200 Korrespondenzen mit Roda datieren zum größten Teil aus der Verlobungszeit im Jahr 1901 und enthalten das Exzessivste, das sich von der Schauspielerin Adele Sandrock erhalten hat. Am Ende der Affäre ist Roda ein freier Schriftsteller, die Sandrock bricht zu einer desaströsen Russlandtournee auf, die ihren künstlerischen Untergang besiegelt. Auf der Grundlage der Korrespondenzen versucht die vorliegende Arbeit, einen wichtigen Abschnitt zweier Lebenskapitel neu zu interpretieren: Rodas Manja Karinskaja (= Sandrock)-Erlebnis in seinem selbstbiografischen Roman verwendet die Fakten nur als Ausgangspunkt einer bisweilen betont männlich-militärischen Phantasiewelt. Umgekehrt zeigt sich auch Adele Sandrock ganz anders als in ihrer geschönten Selbstbiografie: Sie ist eine bis ins Innerste schwankende, unsichere Persönlichkeit, flüchtet sich in irreale Welten und wird schließlich wieder vom eisernen Kommando ihrer Mutter eingeholt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2002
Der mit "bfz" zeichnende Rezensent bespricht einen überaus informativen Band zur kurzen aber heftigen Liebe zwischen der Schauspielerin Adele Sandrock und dem Offizier Roda Roda. Die Briefe der Schauspielerin seien fast vollständig erhalten, und in ihnen könne man den Widerhall der seinen, die verloren sind, spüren. Zudem vervollständigen Briefe von Verwandten und Freunden sowie Fotos und Faksimiles das Bild dieser leidenschaftlichen Affäre, so dass ein "auch kulturhistorisch interessantes" Buch entstanden sei. Eine Sache hat der Rezensent allerdings an diesem Band zu bemängeln: die Detailflut, mit der der Herausgeber den Leser überschütte. Dies sei teilweise schlicht und ergreifend zu viel des Guten, da es nicht nur überflüssig sei, sondern auch den Lesefluss störe.
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