Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin, Eva Dambacher u. a.. Es war der Verleger Kurt Wolff (1887-1963), der 1913 die Begegnung zwischen seiner Autorin Mechtilde Lichnowsky (1879-1958) und einem Schriftsteller zu stiften versuchte, um den er sich damals für seinen Verlag leidenschaftlich bemühte: Karl Kraus (1874-1936). Endlich, nach langem Sträuben, kommt es 1916 zur Gründung des "Verlags der Schriften von Karl Kraus" unter dem Dach des Kurt Wolff Verlags - und Karl Kraus begegnet Mechtilde Lichnowsky 1917 bei einer seiner Lesungen. Es entsteht eine Freundschaft, die Sidonie Nadherny und Mary Dobrzensky miteinschließt. Zu den Nestroy-Vorlesungen seines Theaters der Dichtung schreibt Mechtilde Lichnowsky die Musik, die Kraus einem begeisterten Publikum vorträgt. Die Edition enthält alle in öffentlichen und privaten Archiven erreichbaren Briefe und Gegenbriefe; sie werden durch Briefe und Dokumente Dritter ergänzt, die zum Verständnis des Textes beitragen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2002
Rezensent Paul Jandl freut sich, dass der Wallstein Verlag zwei Bände mit Briefwechseln von Karl Kraus mit seiner frühen Geliebten Annie Kalmar und mit Mechtilde Lichnowsky herausgegeben hat. Denn beide seien "vorbildlich ediert" und zeigten den Privatmensch Kraus als einen "zartfühlenden" Menschen. Ab 1916 korrespondierte der Satiriker mit der Fürstin Lichnowsky, einer Freundin von Kraus' Geliebter Sidonie Nadherny von Borutin und ebenfalls Schriftstellerin und Intellektuelle, berichtet Jandl. Sie komponierte für seine Nestroy-Abende und schien außerdem, meint der Rezensent, für Kraus eine Art "geistiger Adel" gewesen zu sein, der mit seinen revolutionären Ideen nicht nur lyrisch eine Verbindung einging.
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