Lenin ein Fanatiker und Putschist, ein Visionär und Held? Wolfgang Ruge geht in dieser außergewöhnlichen politischen Biografie dem Phänomen Lenin nach, zeigt ihn in seiner Widersprüchlichkeit und trifft damit nicht nur die persönliche Tragik des Revolutionärs, sondern die Tragik der sozialen Revolution überhaupt. Ruge zeigt, wie ein ursprünglich auf die Befreiung der arbeitenden Klassen gerichteter Vorsatz unter konkreten historischen Bedingungen immer unkenntlicher wird und schließlich in eine unvorstellbar opferreiche, repressive Herrschaftspraxis mündet. Ruge zieht eine Bilanz auch seiner eigenen Lebensträume und Irrwege mit beinahe zerstörerischer Rücksichtslosigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2011
Rezensent Jörg Baberowski zeigt sich beeindruckt von dieser Lenin-Biografie des 2006 verstorbenen Historikers Wolfgang Ruge. Aus dem Werk spricht für ihn Enttäuschung über Lenin und Schonungslosigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Begründer der Sowjetunion. Nichtsdestoweniger sieht er darin mehr als die "wütende Abrechnung" eines ehemaligen Kommunisten, der den sowjetischen Terror am eigenen Leib erfahren hat. Die Ausführungen und Interpretationen Ruges scheinen ihm allesamt erhellend. Besonders deutlich wird für ihn der Kontrast zwischen der Wirklichkeit der frühen Sowjetunion und den Ideen in den Schriften Lenins, der sich in seinem Handeln als Überzeungstäter, Gewalt- und Machtmensch erwiesen habe.
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