Aus dem Englischen von Max Henninger. Bei einem ihrer Spaziergänge durch Kairo wird sich Nora Amin unvermittelt bewusst, was es bedeutet, sich als Frau im öffentlichen Raum zu bewegen. Sie versteht plötzlich, was sie mit ihrem Körper repräsentiert, sie begreift die ewige Faszination durch den weiblichen Körper, und wie er von je durch Gewalt und Dominanz sozial zugerichtet wird, wie er mit Vorurteilen, Verachtung und Angst belegt ist. Ihre Gedanken bündelt sie in diesem leidenschaftlichen politischen Essay, in dem sie über die Rolle der Frau in arabischen Gesellschaften hinaus über Privatheit, Intimität und Körperlichkeit reflektiert. Überraschende, teilweise erschreckende Erinnerungen an traumatische Ereignisse auf dem Tahrir-Platz durchziehen diesen Text ebenso wie Erinnerungen an die Kindheit bis hin zu ihren Erfahrungen als Frau in westlichen Gesellschaften.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 15.03.2018
Die Performancekünstlerin Nora Anim schreibt mit ihrem Essay "Weiblichkeit im Aufbruch" die Geschichte des Arabischen Frühlings als Körpergeschichte, informiert Rezensentin Eva Bucher. Dafür hangele sich Anim an ihren Erlebnissen als tanzende Aktivistin entlang, die zeigten, dass ihre Erfahrungen als Frau immer auch politisch sind. Der selbstbestimmte weibliche Körper, den sie in ihren Performances ausstellt, stößt laut Bucher immer wieder auf Versuche, ihn vermittels sexueller Gewalt abzuwerten. So arbeitet die Autorin das Paradox heraus, dass Identität nicht ohne den Blick anderer entstehen kann, deren Urteil diese Identität dann aber doch wieder einschränkt, so die Rezensentin, die sich zu keiner Bewertung aufraffen kann.
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