Der arabische Frühling hat gezeigt, dass die Ideen der Demokratie, der Würde und der Freiheit weder Ideen des Orients noch des Okzidents, weder des Nordens noch des Südens sind, sondern die territorialen und kulturellen Grenzen überschreiten. Die digitale Wende hat die Menschen mittels sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Youtube auf neue Weise zu Weltbürgern gemacht und dadurch der Diskussion um demokratische Werte und Menschenrechte eine breitere globale Dimension verliehen. Der nun einsetzende Demokratisierungsprozess in den Staaten des arabischen Frühlings ist jedoch mit vielen gesellschaftspolitischen und kulturellen Problemen konfrontiert, da er in einem Kulturraum stattfindet, in dem bisher kaum Erfahrungen mit demokratischen Strukturen gemacht werden konnten. Darüber hinaus zeigen die letzten Wahlergebnisse in Ägypten, Marokko und Tunesien, dass der politische Islam beziehungsweise islamistische Akteure eine bedeutende Rolle in diesem Prozess spielen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.01.2015
Wirklich lesenswert findet Rudolf Walther den Sammelband mit Beiträgen von 15 Autoren aus verschiedenen Weltgegenden, darunter Nordafrika und dem Nahe Osten, den der Philosoph Sarhan Dhouib herausgegeben hat. Das spannende Thema der Verträglichkeit von Islam und Demokratie findet er im Band kulturübergreifend dargestellt. Etwa, wenn der Jurist Yadh Ben Achour auf historisch und kulturell verschiedene Interpretationen der Menschenrechte besteht. Oder, wenn der tunesische Philosoph Fethi Meskini auf der ethisch-religiösen Neutralität von Staat und Recht beharrt oder Hans Jörg Sandkühler die von Meskini geforderte Übertragung des Konzepts der "Brüderlichkeit" auf den Staat ablehnt.
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