Klappentext

Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Zerrissenheit, Hoffnung, Aufbegehren. Frauen aus Marokko sprechen über Liebe, Gefühle, Sexualität. Über Heuchelei und den Wunsch nach Anerkennung. Sich zu seinen Gefühlen bekennen? Den Partner frei wählen? Alleine auf die Straße gehen? Von klein auf werden Mädchen in islamischen Ländern dazu erzogen, keine Schande über ihre Familien zu bringen. Ehebruch, Prostitution, Homosexualität werden in Marokko bis heute mit Gefängnis bestraft. Viele Frauen führen in Leïla Slimanis Geburtsland daher ein Doppelleben - zerrissen zwischen Tradition und Religion auf der einen Seite und dem Wunsch nach Selbstbestimmung auf der anderen. Sechzehn sehr persönliche Geschichten versammelt die Autorin und Journalistin in diesem Band. Ebenso mutige wie berührende Bekenntnisse, die Einblick geben in den Alltag von Frauen und in eine Welt im Umbruch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018

Für den Rezensenten Reinhard Brembeck ist Leila Slimani derzeit die aufregendste französischsprachige Autorin. Slimanis nüchterne Sprache, wenn sie Sex und Armut beschreibt und so ein Psychogramm der französischen Mittelschicht entwirft, fasziniert ihn. Die von der Autorin geführten Gespräche mit Frauen aus ihrer Heimat Marokko zum Thema Sex findet Brembeck lesenswert. Die von Slimani in Kommentaren vorgenommenen Kontextualisierungen der mal libertären, mal frauenfeindlichen Aussagen aus allen gesellschaftlichen Schichten scheinen dem Rezensenten hilfreich. Am spannendsten findet er die Ausführungen der Theologin Asma Lamrabet, die den Koran auf das Thema Jungfräulichkeit abklopft. Ein Ergebnis von Slimanis soziologischer Reportage ist für Brembeck die Erkenntnis des Zwiespalts zwischen Verstand, Vernunft und Unterdrückung, in dem sich die marokkanische Frau befindet.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2018

Rezensentin Edith Kresta ist sichtlich beeindruckt von diesem Buch der in Paris lebenden marokkanischen Schriftstellerin Leila Slimani. Sicher, sie ist nicht die erste, die die aus dem religiösen Konservatismus geborene sexuelle Frustration in der arabischen Gesellschaft erforscht, doch zeigt die Aktualität ihres Buchs der Rezensentin, dass sich daran trotz Globalisierung bis heute kaum etwas geändert hat: In Marokko etwa wird außerehelicher Sex mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft. Die jungen Frauen, die Slimani trifft, sprechen über die Heuchelei, das religiöse Korsett in dem sie stecken und die ständige Bevormundung, die in Bösartigkeit ausarten kann. Die Vorstellung, das sei eben so im Islam, lehnt Slimani rundweg ab, so die Rezensentin, die Slimani dafür bewundert, dass sie sich das Recht herausnimmt, "eigenständig zu denken".