Klappentext

Russland lässt im Kaukasus militärisch die Muskeln spielen, China wächst zu einem Wirtschaftsriesen heran, Indien legt sich Atomwaffen zu. Das sind epochale Veränderungen, aber die Europäer tun sich schwer damit, sie zuverstehen. Auf die Industrialisierung Asiens reagieren sie mit Debatten über Wohlstandseinbußen, auf neue Kriege mit moralischer Entrüstung. Nikolas Busse, Korrespondent der FAZ in Brüssel, beobachtet gerade in Deutschland ein von wirtschaftlichen Ängsten geprägtes Klima, das der politischen Dynamik des Weltgeschehens in keiner Weise gerecht wird. Die Umbrüche unserer Zeit gehen weit über die Verlagerung von Arbeitsplätzen hinaus. In Asien, aber auch in Lateinamerika, entstehen neue Machtzentren, die der jahrhundertelangen Dominanz des Westens in der Weltpolitik ein Ende setzen.
Busse beschreibt, wie die Großmächte China, Indien und Russland, aber auch Japan, die Asean-Staaten oder Brasilien ihren Platz im internationalen Geschehen einfordern und beginnen, Amerika und Europa auf zentralen Feldern Konkurrenz zu machen: Sie rüsten auf, verschaffen sich Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen und Märkten, stellen die westliche Agenda vom Klimaschutz bis zu den Menschenrechten in Frage. Die Antwort darauf, das macht Busse deutlich, kann nicht der Rückzug in die Wagenburg sein. Der Westen muss für seine Interessen und Werte kämpfen, notfalls mit militärischer Gewalt. Vor allem Europa muss seine Stimme und sein Gewicht stärker ins neue Weltkonzert einbringen. In einer Zeit, in der die Spielregeln der Weltpolitik neu geschrieben werden, plädiert Busse für ein offensives, selbstbewusstes Agieren der westlichen Gemeinschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.05.2009

Angesichts der Veränderung im globalen Machtgefüge hat Rezensent Martin Winter das Buch von Nikolas Busse mit besonderem Interesse gelesen. Der Autor argumentiert, dass sich künftige Entwicklungen nicht mehr unbedingt an westlichen Maßstäben orientieren werden, weil sich die Machtverteilung der Welt im Lauf der letzten beiden Jahrzehnte tief greifend verändert hat, referiert der Rezensent. Gut informiert führe der Autor in die Perspektiven anderer Großmächte wie China oder Indien ein, die seiner Einschätzung nach künftig nicht nur in wirtschaftlichen, sondern auch in politischen, moralischen oder militärischen Fragen wesentlich bestimmender agieren würden, so Winter. Nur in der Beurteilung der Bedeutung Europas innerhalb der globalen Entwicklung ist der Rezensent nicht ganz einverstanden. In seinen Augen schätzt der Autor das "Potenzial" der EU, sich auf die globalen Veränderungen einzustellen, als zu gering ein.
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