Niall Ferguson

Türme und Plätze

Netzwerke, Hierarchien und der Kampf um die globale Macht
Cover: Türme und Plätze
Propyläen Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783549074855
Gebunden, 640 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helmut Reuter. Wir haben uns längst daran gewöhnt, in einer vernetzten Welt zu leben. Was wir oft übersehen: Soziale Netzwerke sind kein Phänomen der Gegenwart. Vielmehr haben Netzwerke aller Arten - die Aktivitäten auf den "Plätzen" - schon über Jahrhunderte hinweg die "Türme" der Herrschaftssysteme und Machtapparate beeinflusst oder gar zum Einsturz gebracht. Spanische Forscher und Eroberer stießen ganze Imperien in den Abgrund. Deutsche Buchdrucker untergruben das päpstliche Religionsmonopol. Spione, Banker, Wissenschaftler oder gar Freimaurer forderten die politischen Machthaber heraus. Niall Ferguson zeigt, dass solche Vernetzungen unterhalb der Machtebene der lang übersehene Schlüssel zum Verständnis der Geschichte sind, analysiert aber auch moderne Netzwerke wie Facebook, Google oder den "IS". Sein Fazit: Hierarchisch organisierte Staaten und Institutionen können sich nur dann dauerhaft halten, wenn sie es schaffen, sich mit den modernen Netzwerken zu arrangieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2018

Andreas Kilb hält Niall Fergusons Buch für eine Wundertüte. Die schönen Schaubilder von Netzwerken und Hierarchien, das ist Fergusons Thema, die Geschichten und der große glitzernde Bogen schlagen Kilb allerdings nur zeitweise in ihren Bann. Als Erkenntnishilfe taugt der Band laut Kilb wenig. Zu genau weiß der Autor, was etwas bedeutet und prunkt mit Metaphern, findet der Rezensent, die zudem nicht immer stimmig sind. Dass Netzwerk und Hierarchie nicht das Gegensatzpaar sind, für das sie der britische Historiker ausgeben möchte, erkennt Kilb recht bald. Sie gehören zusammen und ergänzen einander, meint er, und das Schwarzweißmuster, das Ferguson über die Geschichte der Neuzeit breitet, es besteht aus lauter Graustufen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.06.2018

Rezensent Gustav Seibt lässt das Buch des Historikers Niall Ferguson unbefriedigt zurück. Die Idee, Weltgeschichte unter dem Blickwinkel der Spannung von Netzwerken und Hierarchien zu betrachten, findet er vielversprechend, Fergusons Umsetzung aber fördert laut Seibt nichts Neues zutage, sondern formuliert das Bekannte nur um. Für Gleichgewicht und Hegemonie schreibe Netzwerk und Hierarchie, meint Seibt. Dass der Autor zu wenig zwischen Netzwerken und Infrastrukturen unterscheidet, Technikgeschichte allzu oberflächlich behandelt und die Folgen der Kommunikationsrevolutionen zu wenig beachtet, sind für Seibt Gründe für das Misslingen des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.06.2018

Marc Reichwein hat schnell begriffen, worum es Niall Ferguson in seinem Buch geht: um den historischen Antagonismus zwischen dynamischen und statischen Formen der Macht und wie Netzwerke Hierarchien immerzu herausgefordert haben. Dass Ferguson so ziemlich alles, von der Seidenstraße über die Mafia bis zu Google als Netzwerke klassifiziert, findet Reichwein allerdings ein wenig schlicht. Der Erkenntnisgewinn des dicken Buches erscheint ihm "erstaunlich" gering. An konzeptioneller Durchdachtheit fehlt es dem Ganzen, meint er, auch wenn er die Erkenntnis, Geschichte sei allzu oft aus der Perspektive der hierarchischen Macht erzählt worden, aus der Lektüre mitnimmt.