Während die meisten Facebook-User noch mit Freund-Werden, "Liken" und Kommentieren beschäftigt sind, ist es an der Zeit, auch die Konsequenzen unserer informationsübersättigten Lebensweise zu betrachten. Warum machen wir so fleißig bei den sozialen Netzwerken mit? Und wie hängt unsere Fixierung auf Identität und Selbstmanagement mit der Fragmentierung und Datenflut in der Online-Kultur zusammen? Mit seinen Studien zu Suchmaschinen, Online-Videos, Blogging, digitalem Radio, Medienaktivismus und WikiLeaks dringt Lovink in neue Theoriefelder vor und formuliert eine klare Botschaft: Wir müssen unsere kritischen Fähigkeiten nutzen und auf das technologische Design und Arbeitsfeld Einfluss nehmen, sonst werden wir in der digitalen Wolke verschwinden.
Etwas zwiespältig scheint Felix Ekardt dieses Werk des Netzkritikers Geert Lovink. Seinen Anspruch, die diversen Stränge der theoretischen Auseinandersetzung mit der Internetkultur aufzugreifen und in einer innovativen Gesamttheorie zu integrieren, wird der niederländische Medientheoretiker nach Auffassung des Rezensenten nur zum Teil gerecht. In vielen Punkten stimmt er mit dem Autor überein, Punkte allerdings, die nicht unbedingt brandneu sind. Ekardt nennt hier etwa Einsicht, dass Ursachen und Wirkungen des Internets heute noch nicht empirisch erfasst und analysiert sind, oder auch den Umstand, dass das Internet die Demokratie sowohl beleben als auch zur Entpolitisierung beitragen kann. Fragen wie die, ob man Facebook wirklich ernst nehmen muss, bleiben zu seinem Bedauern außen vor. Insgesamt lässt sich das Buch nach Ansicht des Rezensenten als gute "Fundgrube" nutzen. Wirklich neue Ideen bietet es seines Erachtens allerdings nicht. Zudem scheint ihm das Buch nicht gut lesbar und eine systematische Argumentationen fehlt ihm auch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2012
Es ist wieder nicht das Buch über das Internet geworden, das Stefan Schulz sich gewünscht hätte. Hoffnung, dass Geert Lovink es schreiben könnte, hat der Rezensent aber schon. Immerhin geht der Autor in seinem an frühere Publikationen anschließenden Text laut Schulz einen Schritt weiter, wenn er nicht nur einen resignativen Abgesang auf das Web 2.0 anstimmt und erklärt, wie schwer es sei, einem der Hauptverantwortlichen, Google, kritisch argumentativ beizukommen, sondern ebenso klar macht, was alles falsch läuft im Netz, was verloren geht, wenn Computer Geschichte schreiben und nicht Menschen. Dass Lovink hier weit ausgreift, mitunter recht waghalsig, doch stets mit Blick auch auf andere Autoren, findet Schulz gut. Was derzeit vom Netz als Ganzem zu halten sei, weiß er aber auch nach dieser Lektüre nicht.
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