Die Weimarer Republik war weit mehr als permanente Krise, mehr auch als die glitzernde Welt der zwanziger Jahre. In der verhältnismäßig kurzen Zeit von 1918 bis 1933 verdichteten sich in aller Schärfe die Aufbrüche und Abgründe der deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mit diesem Standardwerk zeichnet ein internationales Team von Experten ein neues, vielschichtiges Bild der ersten deutschen Republik. So wird deutlich, warum über hundert Jahre nach ihrer Gründung die Weimarer Republik ein fester Bestandteil der deutschen Gegenwart ist. Mit ihrem Handbuch rücken die Autorinnen und Autoren oft übersehene Aspekte dieser Epoche der deutschen Geschichte in den Blick: die massenhafte Mobilisierung engagierter Republikaner, die konfessionellen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten oder die Relevanz von Föderalismus und Regionalismus. Anderes wie der Antisemitismus in der politischen Kultur und die Gründe für den Aufstieg der NSDAP erscheint in neuem Licht. Und 'Weimar' war nicht nur Berlin: Zur Weimarer Republik gehören auch die Bauern und Landarbeiter, der Heimatroman oder die Architektur der Gartenstädte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.03.2023
Dieses Weimar-Handbuch von Nadine Rossol und Benjamin Ziemann schärft den Blick für die Gegenwart, ist Historiker Eckart Conze in seiner Rezension überzeugt. Unter Hinweis auf die Flut von Publikationen über die Zeit zwischen 1918 und 1933, über Krisenjahre und Tanz-auf-dem Vulkan-Serien, nimmt Conze diesen Band mit Interesse auf, der sich gegen jede Simplifizierung stelle und den Anspruch hege, diese komplexe und widersprüchliche Zeit zu historisieren, so Conze. Dieser Ansatz liest sich für den Rezensenten aber trotz ausgewiesener fachlicher Qualifikation aller Autoren sehr künstlich. Determinismus dürfe nicht durch Perspektivverzicht ersetzen werden, schreibt der Rezensent, der trotz aller Einwände gegen die Konzeption des Buchs die klare Analyse lobt.
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